Friedrich Merz (CDU).
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BerlinDer CDU-Politiker Friedrich Merz hat sich in einem Interview mit dem Portal t-online kritisch über den Umgang mit Virologen geäußert. „Wenn Virologen wie Popstars durch die Medien gereicht werden, um die politischen Entscheidungen zu erklären, dann stimmt da etwas in der Aufgabenverteilung nicht mehr“, sagte Merz. „Virologen und Epidemiologen können Empfehlungen zur Bekämpfung der Pandemie geben, natürlich auch in den Medien. Aber man darf sie nicht mit der Bundesregierung verwechseln.“

Auch zur Schließung von Clubs äußerte sich Merz kritisch. „Nachtclubs sind auch ein Ventil für Emotionen und Gefühle. Sind sie dauerhaft geschlossen, kann sich das in so hässlichen Exzessen wie in Frankfurt und Stuttgart oder illegalen Partys wie in Berlin entladen“, so Merz. „Der Staat befindet sich in einem permanenten Lernprozess, wie die Energie vor allem der jungen Leute kanalisiert werden kann, ohne dass dabei Menschen gefährdet werden.“

Merz beobachtet auch einen schwindenden Rückhalt in der Bevölkerung, sich weiter an die Abstandsregeln zu halten. „Das sollte uns schon Sorgen machen, denn wir brauchen eine breite Unterstützung der Maßnahmen, um die Pandemie in den Griff zu kriegen. Ich finde deshalb auch den Begriff ‚Covidioten‘ deplatziert“, sagte er in dem Interview.

Merz sagte zudem, es gebe „erkennbare Versäumnisse“ in der Vorbereitung auf eine zweite Corona-Welle. „Warum sprechen wir erst jetzt darüber, wie die Tests für zurückkehrende Urlauber gehandhabt werden? Dass viele Menschen im Juli und August in den Urlaub fahren werden, war ja spätestens nach Aufhebung der Reisewarnungen in Europa ab Mitte Juni klar. Da wurde meines Erachtens zu wenig vorausschauend geplant, deshalb musste jetzt rasch nachgearbeitet werden“, so der CDU-Politiker.