Potsdam - Ein 42-Jähriger soll serbische Staatsangehörige nach Deutschland gelockt und sie wie Sklaven gehalten haben. Er steht seit Mittwoch wegen Menschenhandels und anderer Vorwürfe vor dem Landgericht Potsdam. Der Angeklagte soll unter anderem zwei Serben mit dem Versprechen, ihnen eine Arbeit auf Baustellen zu verschaffen, nach Deutschland gelotst und ihnen Pässe sowie Handys abgenommen haben. „Er behandelte die Geschädigten als Sklaven“, sagte Staatsanwalt Jens Abisch beim Verlesen der Anklageschrift.

Gedroht, Bäuche aufzuschlitzen

Der Anklage nach hatte der Beschuldigte seine Landsleute in seine Wohnung gebracht, die die Männer unter Androhung von Gewalt mehrmals reinigen mussten. Sie hätten ihm Essen besorgen müssen. Er habe sie ins Gesicht geschlagen und gedroht, ihnen die Bäuche aufzuschlitzen. Weitere Serben soll der 42-Jährige mit anderen, gesondert verfolgten Mittätern gezwungen haben, in Wohnungen einzubrechen und Dinge für ihn zu stehlen. Wegen noch anderer Delikte sitzt der Angeklagte eine Strafe ab.

Nach Angaben seines Anwalts Frank Seidel war der 42-Jährige mit seiner Lebenssituation „überfordert“. Er müsse sich alleine um die beiden Kinder kümmern - seine Lebensgefährtin sei verunglückt, kurz nachdem er Ende 2019 nach Deutschland gekommen sei.

Anwalt spricht von „internen Streitigkeiten“

Seidel sagte nach dem ersten Verhandlungstag, es sei „fraglich, ob sich die Vorwürfe erhärten lassen“. Es gehe auch um „interne Streitigkeiten“ zwischen dem Angeklagten und den Geschädigten. Das Gericht hat sieben Verhandlungstage bis Anfang April angesetzt.