Wien -  In Österreich haben Zehntausende gegen die bevorstehenden Corona-Verschärfungen protestiert. In Wien nahmen laut Polizei rund 35.000 Menschen an Demonstrationen gegen den Lockdown und die Impfpflicht teil. Der Protestzug legte am Samstagnachmittag weite Teile des Verkehrs in der Wiener Innenstadt lahm. „Die Stimmung ist aufgeheizt“, sagte ein Polizeisprecher. Es sei zu mehreren Festnahmen gekommen. Einige Teilnehmer warfen nach Beobachtungen von Medien Flaschen auf die Polizisten.

In Wien hätten die Organisatoren versucht, mit Dutzenden Kundgebungsanmeldungen die Behörden zu verwirren, sagte der Sprecher weiter. Die Polizei gehe davon aus, dass sich im Wesentlichen drei Kundgebungen formieren würden. Es müsse damit gerechnet werden, dass Teile der Innenstadt zeitweise für den Verkehr gesperrt werden müssten.

Österreichs Kanzler entschuldigt sich bei Geimpften

Zu den Demonstrationen rief die rechte FPÖ auf. Deren Parteichef Herbert Kickl, derzeit selbst an Corona erkrankt, sieht Österreich auf dem Weg in eine „Diktatur“. Die Polizei ist nach eigenen Angaben mit 1300 Beamten im Einsatz, unter anderem um die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske zu überwachen. Unter die Demonstranten mischten sich nach Informationen der österreichischen Nachrichtenagentur APA auch bekannte Neonazis und weitere Personen aus dem rechtsextremen Umfeld.

Die österreichische Regierung hat wegen der massiven vierten Corona-Welle einen Lockdown für alle ab Montag angekündigt. Während die Ausgangsbeschränkungen für Geimpfte und Genesene am 13. Dezember enden sollen, ist der Lockdown für Ungeimpfte unbefristet. Außerdem wird Österreich als erstes Land in der EU im Februar 2022 eine Corona-Impfpflicht einführen.

Kanzler Alexander Schallenberg nannte am Freitagabend keine Frist für die Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte. „Wir haben da kein Enddatum“, sagte Schallenberg in der ORF-Nachrichtensendung „ZiB2“ auf eine entsprechende Frage. Es müsse jetzt endlich gelingen, die Impfquote so weit nach oben zu treiben, dass die Pandemie eingedämmt und künftig kein Lockdown mehr nötig sein werde, sagte der Regierungschef. Er forderte alle Ungeimpften auf, von den Impfangeboten nun Gebrauch zu machen.

Zugleich entschuldigte er sich bei den Geimpften für den einschneidenden Schritt der ab Montag geltenden Ausgangsbeschränkungen. Er finde es sehr schwer erträglich, dass man von denen, die alles richtig gemacht hätten, jetzt diesen Akt der Solidarität einfordern müsse, sagte Schallenberg.

Corona-Proteste: schwere Krawalle und Schüsse in Rotterdam

In der niederländischen Stadt Rotterdam war es am Freitag bei Corona-Protesten zu schweren Krawallen gekommen. Tausende Menschen protestierten am Abend gegen die rigiden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. „Schon kurz nach 20 Uhr geriet die Demonstration außer Kontrolle“, teilte die Polizei Rotterdam mit. Einsatzkräfte wurden demnach mit Feuerwerkskörpern, Steinen, Flaschen, Straßenschildern und Absperrgittern angegriffen. Die Polizei gab Warnschüsse und offenbar auch gezielte Schüsse ab. Die Regierung kündigte eine Untersuchung an.