WienBei dem Anschlag in Österreich ist auch eine Deutsche getötet worden. „Wir haben jetzt die traurige Gewissheit, dass auch eine deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Angriffs in Wien ist“, teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) mit. 

Außerdem reklamierte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Tat für sich . Ein „Soldat des Kalifats“ habe die Attacke verübt, behauptete der IS auf einer Internetplattform.

Der mutmaßliche Täter war den Behörden schon länger bekannt. Der Österreicher mit nordmazedonischen Wurzeln soll am Montagabend nahe der Hauptsynagoge in Wien um sich geschossen und dabei mindestens vier Menschen getötet und mehr als ein Dutzend verletzt haben. Er wurde später von der Polizei erschossen.

Der ehemalige Anwalt des jungen Mannes Nikolaus Rast sagte am Dienstag, der junge Mann stamme aus einer völlig normalen Familie. „Für mich war das ein Jugendlicher, der das Pech gehabt hat, an die falschen Freunde zu geraten“, so der Strafverteidiger gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Seit Jahren soll der 20-Jährige mit der Terrormiliz Islamischer Staat IS sympathisiert haben und bereit gewesen sein, für sie in den Kampf zu ziehen.  

Nach Angaben des österreichischen Innenministers hat der Täter eine erfolgreiche Teilnahme an einem De-Radikalisierungprogramms vorgetäuscht, um eine vorzeitige Haftentlassung zu erreichen. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) es sei Kujtim Fejzulai gelungen, das Deradikalisierungsprogramm des Justisystems und der daran Beteiligten „zu täuschen“ und auf diese Weise früher freizukommen. Bei seinen Bewährungshelfern habe er sich „besonders bemüht“.

Im Vorjahr musste sich der Wiener dann wegen seiner IS-Mitgliedschaft vor Gericht verantworten. Nach Medienberichten hatte sich seine eigene Mutter an die Behörden gewandt. Er wurde damals zu 22 Monaten Haft verurteilt, nahm an einem Deradikalisierungsprogramm teil und wurde wegen günstiger Prognose vorzeitig entlassen. Er habe alle getäuscht, so Rast.

Im April 2019 gab der mutmaßliche Terrorist vor dem Wiener Landgericht an, dass er sich in seinem Leben nie benachteiligt gefühlt hatte. Während der Pubertät begann er, sich mit dem Islam zu beschäftigen, wie die Tageszeitung Der Standard berichtete, die den Gerichtsprozess damals verfolgte. Ende 2016 sei er nach eigenen Aussagen in die „falsche Moschee“ geraten. Seine Leistungen in der Schule wurden immer schlechter, Streit mit der Mutter gab es immer öfter. „Ich wollte weg von zu Hause“, erzählt der Mann vor Gericht. Vom IS habe er sich ein besseres Leben erwartet. „Eine eigene Wohnung, eigenes Einkommen.“

Eine Reise nach Kabul zum IS mit einem Freund scheiterte, weil die jungen Männer zu spät bemerkten, dass sie ein Visum für Afghanistan benötigten. Das Geld für das Flugticket erarbeitete er sich bei einem Sommerjob. Im September 2018 brach der mutmaßliche Terrorist alleine in die Türkei auf. Von dort wollte er nach Syrien, um für den IS zu kämpfen. Über den Messengerdienst Telegram verbreitete er Propaganda der Terrormiliz, wie die Zeitung Heute berichtete.

Zwei Tage nach seiner Ankunft in der Türkei nahmen ihn türkische Polizisten in einem sogenannten Safehouse, das sein Anwalt als „Rattenloch“ ohne Dusche, Toilette und fließendes Wasser bezeichnete, fest. Er saß vier Monate dort in Haft, bevor er nach Österreich überstellt wurde. Ende vergangenen Jahres war er von den Behörden scheinbar als nicht mehr gefährlich eingestuft und so frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden.