Wiener Museen werben auf OnlyFans-Plattform mit nackter Kunst

Zu nackt für Facebook und Instagram: Weil Bilder von Kunstwerken in sozialen Netzwerken oft zensiert werden, gehen Wiener Museen nun einen anderen Weg.

Auf diesem vom Albertina-Museum zur Verfügung gestellten Bild ist die Zeichnung „Die drei Gorgonen“ im „Beethovenfries“ von Gustav Klimt aus dem Jahr 1901 zu sehen (undatiert).
Auf diesem vom Albertina-Museum zur Verfügung gestellten Bild ist die Zeichnung „Die drei Gorgonen“ im „Beethovenfries“ von Gustav Klimt aus dem Jahr 1901 zu sehen (undatiert).dpa/Albertina

Wien- Wiens wichtigste Museen mischen sich unter die erotischen Inhalte der Social-Media-Plattform OnlyFans. Mit Akten von Meistern wie Dürer, Rubens oder Klimt sollen nicht nur Besucher im Netz angelockt werden, sondern auch die Zensurregeln anderer Anbieter wie Facebook umgangen werden, erklärte der Chef von Wien Tourismus, Norbert Kettner. „Wir haben uns überlegt, wie wir das System mit seinen eigenen Waffen schlagen können“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

In der Vergangenheit wurde zum Beispiel ein Bild der 30.000 Jahre alten „Venus von Willendorf“ von Facebook gelöscht, weil ein Algorithmus der Plattform die nackte Steinstatuette aus Österreich als pornografisch wertete. Das Wiener Leopold Museum und die Albertina hatten ähnliche Probleme mit der Darstellung von freizügigen Kunstwerken auf herkömmlichen sozialen Netzwerken.

Aktion erregte international Aufmerksamkeit

Die Plattform OnlyFans ist hingegen vor allem für erotische Inhalte bekannt, die von Benutzern online gestellt, und von deren „Fans“ gegen Bezahlung gesehen werden können. „Uns ist bewusst, dass es ein schmaler Pfad ist“, sagte Kettner über die Aktion, die von seinem Tourismusverband koordiniert wird. International hat sie einige Aufmerksamkeit erregt – unter anderem in der „Late Show“ des US-Satirikers Stephen Colbert.

Im „Vienna“-Kanal auf OnlyFans bekommt man aber nicht nur nackte Frauen und Männer aus der Kunst zu sehen, sondern auch entwaffnende Erklärungen: Zu den Frauenakten von Egon Schiele heißt es, dass sie die Betrachter direkt ansehen und so „die Menschen vor den Bildern demaskieren“.