BerlinÜber Berlin und Brandenburg sind am Mittwochabend Wintergewitter gezogen. Örtlich unterschiedlich stark gab es Regen- und Schneeschauer, Windböen sowie zuckende Blitze und Donnergrollen. Zeitweise behinderte heftiger Flockenwirbel die Sicht. „Die kräftigen Schneeschauer des Abends haben rund um Berlin für eine dünne Schneedecke gesorgt. So liegt in Tegel ein Zentimeter, in Potsdam sogar noch etwas mehr“, twitterte der Wetterdienst Kachelmannwetter.de. Wegen Temperaturen um die Null-Grad-Grenze und darunter wurde vor glatten Straßen und Gehwegen gewarnt. 

Zuvor hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) starke Gewitter in der Region angekündigt. Eine derartige Warnung wird ausgegeben, wenn die Gefahr von Gewittern mit Blitzschlag besteht, deren weitere Begleiterscheinungen stark sind. Dabei können Hagelkörner mit Durchmessern von weniger als 1,5 Zentimeter Größe, Starkregen ab 15 Liter pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde oder ab 20 Liter pro Quadratmeter innerhalb von sechs Stunden auftreten. Böen ab 65 Stundenkilometern sind möglich.

Für Hauptstadt und Mark hatte der DWD von Nordwesten aufziehende Gewitter prognostiziert. Zu erwarten seien Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 85 Kilometern pro Stunde.

Viele Menschen denken bei Gewittern an schwüle Sommertage, an denen sich gegen Abend immer größere Wolkenberge auftürmen. Und die meisten Gewitter – 90 Prozent aller Blitze – werden im Juli und August registriert. Doch auch im Winter kann es Gewitter geben. Sie kommen in Mitteleuropa allerdings selten vor, weil sich die dazu notwendigen Bedingungen nicht oft einstellen.

Wintergewitter brauchen feuchte Luft

Die Bedingungen für die Entstehung von Wintergewittern sind wie im Sommer auch ein starker vertikaler Temperaturunterschied und eine labil geschichtete Atmosphäre. Da in unseren Breiten im Winter die thermische Erwärmung des Bodens durch die Sonne bei Weitem nicht ausreicht, muss gerade in großen Höhen der Troposphäre eine sehr kalte Luftschicht vorhanden sein. Als weitere Zutat muss zudem noch ausreichend Feuchtigkeit verfügbar sein, schreibt der DWD.

Als Faustregel könne man einen Temperaturunterschied von rund 30 Grad zwischen 2500 Meter und 6000 Meter annehmen. Wenn für den Boden wintertypische Temperaturen um den Gefrierpunkt angenommen werden, so sollte in einer Höhe von vier bis acht Kilometer eine ausreichend dicke Luftschicht vorhanden sein, die etwa minus 35 Grad aufweist. Ist die Luft auch noch ausreichend feucht, so herrschen in der Atmosphäre gute Bedingungen für die Entstehung eines Wintergewitters.

An der Nordsee treten häufiger Wintergewitter auf, weil die See relativ warm und feucht ist, dort wird der starke Temperaturunterschied eher erreicht. Ein Wintergewitter ist meist kürzer als die sommerlichen Gewitter – aber ein Wintergewitter kommt dafür gern mit Graupel und Schneesturm.