Köln - Usain Bolt sprintete ins Rampenlicht der Welt, Lionel Messi hing sich die Goldmedaille um den Hals, und Dirk Nowitzki trug die deutsche Fahne im „Vogelnest“ spazieren: Im Nationalstadion von Peking haben die Größten des Weltsports denkwürdige Momente erlebt. Und auch Claudia Pechstein gefällt der Gedanke an einen unvergesslichen Auftritt im Stadion der Sommerspiele von 2008.

Pechstein könnte in Nowitzkis Fußstapfen treten

Am 4. Februar findet hier die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele statt - und Pechstein könnte es Basketball-Legende Nowitzki gleichtun und die deutsche Delegation als Fahnenträgerin anführen.

Sollte sie vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gefragt werden, „dann würde ich zusagen. Weil es eine große Ehre wäre und Wertschätzung bedeutet“, sagte Pechstein im Interview mit den Thüringer Zeitungen der Funke-Mediengruppe: „Ich zwinge mich jedoch nicht auf.“ Der DOSB wird wieder einem Duo die repräsentativen Rollen übertragen, nach einer Abstimmung der Olympia-Athleten und Fans.

An Pechstein führt aber eigentlich kaum ein Weg vorbei. Die Berlinerin ist die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin (5x Gold, 2x Silber, 2x Bronze), in China nimmt sie als fast 50-Jährige zum achten Mal an Winterspielen teil - nie startete eine Frau häufiger. Acht Starts bei Winterspielen hat bislang nur der japanische Skispringer Noriaki Kasai erreicht.

Weiteres Edelmetall in Peking ist für Pechstein illusorisch - und auch nicht mehr der Anspruch der Berlinerin, die sich im Massenstart für den Saisonhöhepunkt qualifiziert hat. Mit olympischem Flair rechnet Pechstein, die bereits 1992 in Albertville auf dem Eis stand, allerdings kaum.

Vorfreude auf Umstände in China hält sich in Grenzen

Die Vorfreude auf die Umstände im Gastgeberland China ist verhalten. „Ich weiß, dass es andere Spiele als sonst werden. Alles findet in einer großen Blase statt“, sagte Pechstein. Die Atmosphäre reiche bestimmt nicht an sonstige Spiele heran: „Das hängt nicht nur mit Corona zusammen. Vielleicht sollte deshalb auch die Meinung der Sportler bei der Vergabe mit einbezogen werden. Winterspiele gehören in einen Wintersportort.“

In einem der wichtigsten Eisschnelllauf-Standorten der Welt feilt Pechstein am Wochenende an ihrer Form. Bei der EM in Heerenveen absolviert sie den letzten Härtetest vor der Abreise nach China. Und auch wenn dort manches anders sein wird: „Ich freue mich auf die Spiele, trainiere dafür hart, passe jetzt auf, dass ich nicht krank werde.“

Die Chance auf die Rolle als Fahnenträgerin kommt schließlich nicht noch einmal.