Köln/Berlin - Ein Headhunter sorgt derzeit mit einem LinkedIn-Post für reichlich Aufregung in den sozialen Netzwerken. Der Geschäftsführer der Kölner Headfound GmbH, Jan Truch, erklärte in einem Beitrag seine Einstellungskriterien. Ein Bewerber, der seine zwei „K.O.-Fragen“ falsch beantworte, erhalte eine Absage.

Truch berichtet von einem jungen Jobinteressenten, der zunächst zur Probe im Vertrieb gearbeitet habe. Hierbei überzeugte der Bewerber offenbar mit einigen erfolgreichen Akquise-Gesprächen im Namen der Headfound GmbH. Truch stellte dem Kandidaten anschließend die entscheidenden Fragen, heißt es.

Zuerst wollte der mögliche Arbeitgeber von seinem Aspiranten Folgendes wissen: „Warst/Bist du in einer psychologischen Behandlung?“ Danach fragte der Headhunter den Bewerber: „Wenn du morgen noch ein Vorstellungsgespräch bei einer anderen Firma hättest, könntest Du mir heute schon ein ‚Ja‘ geben?“

Hat der Headhunter die Persönlichkeitsrechte des Bewerbers missachtet?

Truch betont, dass das nichts sei, wofür man sich schämen sollte. Ob er sich mit diesem Hinweis auf die Fragen oder die möglichen Antworten bezieht, ist unklar. Es gehe ihm „nur um die Ehrlichkeit der Kandidat:innen“, schreibt der Personalberater. Der Bewerber habe die Fragen allerdings „falsch“ beantwortet und den Job daher nicht bekommen.

Viele LinkedIn-Nutzer bemängeln nun, dass Truch insbesondere mit der Frage nach einer Psychotherapie die Persönlichkeitsrechte des Bewerbers missachtet habe. Andere vermuten, dass der Headhunter möglicherweise nur habe testen wollen, ob der Kandidat Grenzüberschreitungen akzeptiert.

Ist die Frage nach einer Psychotherapie im Bewerbungsgespräch legitim?

Der Post wird mittlerweile auch intensiv auf Twitter diskutiert. So empört sich eine Nutzerin hier folgendermaßen: „Es geht den Typen einen Scheiß an, ob jemand in psychologischer Behandlung ist/war. Möchte er als nächstes vielleicht noch etwas über sexuelle Vorlieben wissen?“

Truchs Beitrag hat auch einen Fachmann für Wirtschaftsrecht dazu animiert, einen eigenen LinkedIn-Artikel über das Thema zu verfassen. Rechtsanwalt Dr. Dominik Herzog wählt jedoch einen anderen Blickwinkel als die Kritiker von Truch: „Wäre das Interesse des Arbeitgebers, eine möglichst stressresistente Person für die ausgeschriebene Stelle zu finden und damit die Frage nach psychologischen Behandlungen nicht sogar als zwingend notwendig zu erachten, wenn der Arbeitgeber eine Fluglinie und der Bewerber als Pilot angestellt werden sollte?“

Der Headhunter hat bereits in einem weiteren Post auf die heftige Kritik reagiert: „Ich habe viele Kommentare bekommen, einige konstruktiv, einige gehässig, manche auf das Thema bezogen, manche nicht. Aber für sie alle gilt: Danke.“ Truch kündigt zudem an, in den kommenden Tagen ein weiteres, ausführlicheres Statement abzugeben.