Berlin - Die Debatte um die Aufhebung der Maskenpflicht für Geimpfte geht in eine neue Runde. Anlass ist ein Interview des Schweizer Magazins Republik mit dem Charité-Virologen Christian Drosten. Nach Angaben der Journalisten habe Drosten zu Beginn des Interviews in seinem Büro erklärt, sie müssten keine Masken tragen. Er sei bereits zweimal geimpft. SPD-Politiker Karl Lauterbach hatte entsprechende, an eine Impfung gekoppelte Vorschläge, die Maskenpflicht für Geimpfte aufzuheben, kürzlich entschieden abgelehnt. 

In dem fraglichen Passus des Interviews heißt es wörtlich: „Wir betreten das Büro, hinter seinem Schreib­tisch erhebt sich Professor Drosten und sagt, wir könnten gerne die Masken abnehmen, er sei schon zweimal geimpft.“ Zuvor hätten die Journalisten PCR-Tests und Quarantäne-Ausnahme­bestätigung vorzeigen wollen, seien vom Wachmann am Empfang aber einfach in das Gebäude gewunken worden.

Die Virologin Sandra Ciesek hat das Interview bei Twitter geteilt. Prompt entwickelte sich eine rege Diskussion über das Verhalten von Drosten.

Ein User stellt die Frage: „Liebe Frau @CiesekSandra , eine Frage: Zwei gesunde Und vollständig geimpfte Menschen in einem Büro, brauchen die Masken?“ Anstelle der Virologin antwortet ein anderer User: „Herr Drosten hat den Interviewern die Wahl gegeben, die Masken abzusetzen, weil er schon vollgeimpft ist. Ich würde daher Ihre Frage mit Ja beantworten.“

„Könnte von Streeck kommen solch eine Aussage. Unfassbar“

An anderer Stelle wird Drosten kritisiert. So heißt es: „Bei einer anderen Person wäre man da sicher kritischer.“ Und weiter: „Habe hier kürzlich auf Twitter noch gelesen welch vernichtende Urteile über Ärzte gesprochen wurden, die genau das gemacht haben: Maske ab bei zweimaliger Impfung.“ Ein anderer User wird deutlicher: „Könnte von Streeck kommen solch eine Aussage. Unfassbar.“

Die Diskussion darüber, ob die Maskenpflicht für Geimpfte aufgehoben werden soll oder nicht, wird auch in Medizinerkreisen und der Politik diskutiert. Nach Einschätzung des Vorstandschefs der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz wäre eine Abschaffung richtig.  In der Ärzte-Zeitung sagte Dr. Peter Heinz kürzlich, es mache keinen Sinn, dass Menschen weiterhin eine Maske tragen, wenn sie gegen das Coronavirus geimpft sind. Sie könnten andere „mit großer Wahrscheinlichkeit“ nicht mehr anstecken. Ohne einen solchen Anreiz „bleiben wir irgendwann mit dem Impfen stecken“, sagte Heinz weiter.

„Der Vorschlag geht in eine völlig falsche Richtung“, hatte SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) dagegen gehalten. Neben dem Restrisiko einer Corona-Infektion oder Weitergabe lasse sich eine generelle Maskenpflicht in diesem Fall kaum noch wirksam durchsetzen. Auch der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen bezeichnete den Vorschlag im RND-Interview als „äußerst riskant“.

Was sagt das Robert Koch-Institut zur Maskenpflicht für Geimpfte?

Das Robert Koch-Institut schreibt auf seiner Internetseite zu der Thematik, es sei auf Basis der bisher vorliegenden Daten davon auszugehen, dass „die Viruslast bei Personen, die trotz Impfung mit SARS-CoV-2 infiziert werden, stark reduziert und die Virusausscheidung verkürzt ist“. Dennoch müsse davon ausgegangen werden, dass „einige Menschen nach Kontakt mit SARS-CoV-2 trotz Impfung (asymptomatisch) PCR-positiv werden und dabei auch infektiöse Viren ausscheiden“.

Dieses Risiko müsse „durch das Einhalten der Infektionsschutzmaßnahmen“ zusätzlich reduziert werden. Daher empfehle die Ständige Impfkommission (STIKO), auch nach „Impfung die allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen (Alltagsmasken, Hygieneregeln, Abstandhalten, Lüften) weiterhin einzuhalten“.