Hamburg/Paris - Der völlig unnötige Platzverweis für Diva Neymar? Die verlorene Tabellenführung in Frankreich? Trainer Mauricio Pochettino wollte die Pleite gegen den OSC Lille schnell vergessen – und schaltete vor dem Duell mit Bayern München in den Angriffsmodus. „Natürlich müssen wir weitermachen und an alle Wettbewerbe denken“, sagte der Argentinier: „Wir haben die Champions League vor uns, also werden wir uns darauf konzentrieren.“

Und im Viertelfinale der Königsklasse treffen die Pariser ja nicht auf irgendwen, der Gegner im Hinspiel am Mittwoch (21 Uhr/Sky) heißt FC Bayern. Der Titelverteidiger, der Neymar und Co. im Finale von 2020 bezwungen hat. Nun soll aus Sicht der Franzosen die Revanche gelingen, doch die Vorzeichen sind alles andere als gut.

„Wir sind aus vielen Gründen eine nicht konstante Mannschaft, aber wir arbeiten daran, das zu beheben“, sagte Pochettino, nachdem sein Team das Ligue-1-Spitzenspiel 0:1 (0:1) verloren hatte. Trotz eines Neymar oder eines Kylian Mbappe fehlte Paris im Angriff der nötige Esprit. Und so war die Tabellenführung futsch.

Neymar sieht Gelb-Rot

Zu allem Überfluss sorgte wieder einmal Superstar Neymar für Aufregung. In der Schlussphase schubste der Brasilianer frustriert und unnötig Tiago Djalo – Gelb-Rot für den Angreifer, nachdem er für einen Griff ins Gesicht eines Gegenspielers bereits verwarnt worden war.

Während sich Pochettino öffentlich verbal zurückhielt, sparte die Presse nicht mit Kritik. Neymars Verhalten erinnere an einen pubertierenden Teenager, schrieb France Football: „Entsetzlich!“

Für das „verwöhnte Kind“ Neymar sei es endlich „an der Zeit, ein bisschen zu reifen“. Schließlich sei er mit 29 Jahren auch nicht mehr der Jüngste. Für Neymar war es schon der zweite Platzverweis in dieser Saison und bereits sein vierter seit seinem Wechsel nach Paris 2017.

Da die Sperre aber nur für die Liga gilt, kann Neymar am Mittwoch in München spielen. Und natürlich braucht Paris den Künstler in Topform, wenn der Coup gegen Bayern gelingen soll. Der Wille auf Wiedergutmachung ist an der Seine jedenfalls gewaltig, klar. „Der Frust war natürlich riesig“, sagte Nationalspieler Thilo Kehrer über die Niederlage in Lissabon, damals noch unter Thomas Tuchel, zuletzt Sport Bild: „Aber mittlerweile haben wir ihn in Motivation umgewandelt – und die ist noch größer geworden, die Champions League jetzt zu gewinnen.“