Berlin - Die selbst ernannte Bürgerbewegung Finanzwende fordert weitreichende Konsequenzen aus dem Wirecard-Skandal. Deutschland habe ein „massives Problem mit Finanzkriminalität“: Während Fälle früher als „kleine Fische“ hätten abgetan werden können, habe 2020 gezeigt, dass auch ein gesamter Dax-Konzern „in die Kontrolle von Kriminellen gelangen kann“, sagte Finanzwende-Vorstand Gerhard Schick der Nachrichtenagentur AFP. 

Das Unternehmen hatte Ende Juni Insolvenz angemeldet. Wirecard soll jahrelang seine Bilanzen gefälscht haben. Erst im Herbst 2018 hatte es das Unternehmen in den Dax geschafft und dort die Commerzbank verdrängt. Mittlerweile befasst sich ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss mit dem Skandal. Geklärt werden sollen mögliche Versäumnisse im Umgang der Bundesregierung und ihrer Behörden mit den Vorkommnissen. Im Fokus stehen die deutsche Finanz-, Geldwäsche- und Steueraufsicht und dabei insbesondere die Bundesanstalt Bafin.

Der Milliardenschaden für Zehntausende Wirecard-Anleger zeige die „ökonomischen Kosten von Finanzkriminalität“, sagte Schick. Der Skandal stehe aber auch dafür, dass der Finanzstandort Deutschland mittlerweile mit der „Unfähigkeit der deutschen Behörden assoziiert wird, Finanzkriminalität zu bekämpfen“.

Noch vor der Bundestagswahl müsse eine grundlegende Reform der Finanzaufsicht und der Wirtschaftsprüfung durchgesetzt werden, so Schick. Es brauche eine neue Führung der Aufsicht und weitere Mitarbeiter, außerdem müssten sich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften von ihrem Beratungsgeschäft trennen, sagte der Leiter der Organisation.