Berlin - Führende amerikanische und britische Wissenschaftler haben vor dem Einsatz von Plexiglasscheiben gegen das Coronavirus gewarnt. Demnach steigert Plexiglas unter bestimmten Umständen das Risiko einer Übertragung. Wie die New York Times berichtet, haben Aerosolforscher in verschiedenen Experimenten festgestellt, dass durch Plexiglasbarrieren beispielsweise in Supermärkten die Keime von einem Mitarbeiter zum anderen umgelenkt werden können.

Grund dafür ist offenbar eine Beeinträchtigung des Luftstroms. Es ist den Forschern zufolge nicht ausgeschlossen, dass sich die zirkulierenden Aerosolpartikel in sogenannten „toten Zonen“ sammeln und so verdichten. Lindsey Marr ist Professorin für Bau- und Umweltingenieurwesen an der Virginia Polytechnic Institute and State University und eine der weltweit führenden Expertinnen für Virusübertragung. Marr sagt: „Wenn Sie in einem Klassenzimmer einen Wald von Barrieren haben, wird die ordnungsgemäße Belüftung dieses Raums beeinträchtigt.“

Forscher: Scheiben nützen, wenn jemand hustet oder niest

Und weiter: „Die Aerosole von jedermann werden eingeschlossen, bleiben stecken und sammeln sich an. Sie werden sich schlussendlich über Ihren eigenen Schreibtisch hinaus verbreiten.“ Die Barrieren können offenbar zwar verhindern, dass beim Husten oder Niesen Tröpfchen auf andere spritzen, Coronaviren verbreiten sich aber vielmehr durch unsichtbare Aerosolartikel, heißt es.

Britische Modellforscher haben unterdessen ermittelt, dass die Scheiben nützen, wenn jemand hustet oder niest. Wenn eine Person allerdings spricht, wandern die Aerosolpartikel um die Barriere herum. Catherine Noakes – Professorin für Umwelttechnik an der University of Leeds – erklärt, dass Abschirmungen in der Lage seien, größere Partikel zu blockieren, aber auch, dass die kleineren Aerosole über den Bildschirm wandern und sich innerhalb von etwa fünf Minuten mit der Raumluft vermischen.

Noakes gibt zu bedenken, dass der Einsatz von Trennwänden unbeabsichtigte Folgen haben könnte. So stellten Noakes und andere Forscher bereits 2013 in einer Studie fest: In einem Krankenhaus, das Abschirmungen nutzte, waren einige Patienten zwar vor Keimen geschützt, die Trennwände hätten die Luft jedoch zu anderen umgeleitet.