Wittenberge sieht Gartenschau als Riesen-Chance

Es geht längst nicht nur um Blumen. Landesgartenschauen sollen das Gesicht brandenburgischer Kleinstädte verändern. 2027 ist Wittenberge am Zug. In Beelitz g...

ARCHIV - Ein Plakat am Bahnhof Wittenberge (Prignitz) wirbt für die Landesgartenschau 2027 in der Elbestadt.
ARCHIV - Ein Plakat am Bahnhof Wittenberge (Prignitz) wirbt für die Landesgartenschau 2027 in der Elbestadt.Oliver Gierens/dpa/Archivbild

Wittenberge/Beelitz-Wenn die Landesgartenschau in der Spargelstadt Beelitz nach mehr als einem halben Jahr am Montag schließt, dann geht in der Prignitz die Arbeit erst richtig los. Die Stadt Wittenberge mit rund 17.000 Einwohnern richtet in rund fünf Jahren die nächste Brandenburger Landesgartenschau aus. Dabei soll der Klimawandel eine große Rolle spielen. Bei der Schau in Beelitz kamen von Mitte April bis Oktober mehr als 550.000 Besucher - rund 100.000 mehr als ursprünglich erwartet.

Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann (parteilos) sagte der Deutschen Presse-Agentur, er sehe die Gartenschau 2027 als große Chance für die Region. „Es ist ein Stadtentwicklungskonzept mit Nachhaltigkeit als zentralem Thema.“ Die Schau steht unter dem Motto „Stadt. Land. Elbe. - Wittenberge blüht auf“, sie soll den Wandel einer früheren Industriestadt zu einer lebendigen Kleinstadt mit nachhaltiger Zukunft zeigen.

Ausgangspunkt soll das 1846/47 erbaute klassizistische Bahnhofsgebäude sein, das bis 2026 umfassend saniert werden soll. Neben dem Technologie- und Gewerbezentrum und einem Empfangsraum für Touristen soll hier ein seit 2019 bestehender Coworking Space einziehen. Der Bahnhof liegt fast genau auf halber Strecke zwischen den Metropolen Berlin und Hamburg und ist somit für Pendler gut erreichbar.

Langfristig soll der Bahnhof so ausgebaut werden, dass jede volle Stunde ein ICE nach Berlin oder Hamburg abfährt. Zuletzt hatte die Bahn allerdings angekündigt, mit dem Fahrplanwechsel im Dezember mehrere Halte in der Elbestadt zu streichen.

Ein besonderes Thema der Gartenschau soll zudem der Umgang mit städtischen Grün- und Bauflächen sein. Insbesondere soll der rund neun Hektar große, mittlerweile stark verwilderte Stadtpark mit dem markanten Wasserturm von 1905 wieder teilweise rekultiviert werden. Auch andere Grünflächen wie nicht mehr genutzte Friedhöfe oder brachliegende Kleingartenanlagen sollen aufgewertet und zu artenreichen, ökologisch wertvollen Flächen umgestaltet werden. Dabei werde auch die Anpassung an die Herausforderungen des Klimawandels eine wesentliche Rolle spielen, heißt es im Konzept.

Ebenso soll sich die Laandesgartenschau in einem Pilotprojekt dem Thema Stadtumbau widmen. Geplant ist, in einem Plattenbauviertel aus DDR-Zeiten am Rande der Innenstadt eine Straße beispielhaft umzubauen. Neben einer intensiveren Begrünung und der Neuaufteilung des Straßenraums sollen dabei kreative Lösungen für die Nachnutzung leerstehender Wohnungen gefunden werden, hieß es.

Bürgermeister Hermann wünscht sich, dass möglichst viele Akteure aus der gesamten Region mitmachen. Bei dem Hotelier und Gastronom Lutz Lange, der Vorsitzender der Wirtschaftsinitiative Westprignitz ist, rennt er damit offene Türen ein. Auch Lange spricht von einer „Wahnsinns-Chance“ für die Region. Die Gartenschauen in Wittstock (Dosse) und Beelitz hätten dies gezeigt. Die Stadt und die Region seien auf einem guten Weg, findet der Unternehmer, der die frühere Ölmühle der Stadt zu einem großen Hotel-, Restaurant- und Veranstaltungskomplex umbaute.

Die Gartenschau hält er auch deswegen für nachhaltig, weil man ein Konzept für die Stadt habe und neben Investitionen auch für ein positives Image sorge. Dies habe bereits der „Brandenburg-Tag“ 2018 in der Elbestadt gezeigt. Die regionale Wirtschaft sei bereit, ihren finanziellen Beitrag zu leisten, meinte Lange. Er hat über seine Gesellschaft bereits 190.000 Euro in einen 110 Meter langen Bootssteg an der Elbe investiert, der Teil der Landesgartenschau-Präsentation sein soll.