Hohe Gaspreise: Mieten in Berlin steigen jetzt rasant

Russland verringert die Gaslieferungen, die Preise steigen. Die Vermieter legen jetzt fast alles auf die Mieter um. Es kommt zu Mieterhöhungen von 100 Euro und mehr. Ist das rechtens?

Die Gas-Drosselung aus Russland führt zu steigenden Mieten in Berlin.
Die Gas-Drosselung aus Russland führt zu steigenden Mieten in Berlin.dpa/Carsten Koall

Wegen Gas-Knappheit und den damit verbundenen hohen Preisen steigen die Mieten in Berlin jetzt schon rasant in die Höhe. Viele Vermieter erhöhen die monatlichen Nebenkosten um 100 Euro und mehr in der Voraussicht, dass die Gaspreise wegen der Drosselung weiter anziehen werden.

„Vermieter bitten, schlagen vor oder sie drohen einfach. Wir kennen viele Fälle“, erklärt Reiner Wild vom Berliner Mieterverein. So bezahlt eine dreiköpfige Familie aus Pankow ab dem 1. September für eine 64 Quadratmeter-Wohnung 102 Euro mehr als sonst. Die gesamte Warmmiete steigt damit auf 758,52 Euro. Im Schreiben des Vermieters wird die Mieterhöhung mit einem erhöhten Verbrauch und der Betriebskostenabrechnung aus dem letzten Jahr erklärt. Das ist das eine Argument.

Berlin: Vermieter erhöht Nebenkosten und ruft noch zum Sparen auf

In dem Brief wird aber andererseits mit dem Ukraine-Krieg, der russischen Gasdrosselung und den steigenden Gaspreisen argumentiert. Die Gasag rechne mit einem Anstieg der Gaspreise um 118 Prozent in einem Jahr, heißt es darin. Weiter steht in dem Schreiben des Vermieters: „Ein Ende der Preisspirale ist aktuell nicht absehbar, aus diesem Grund möchten wir abschließend an jeden Einzelnen appellieren, das eigene Verbrauchsverhaltung zu prüfen und durch Einsparung die finanziellen Belastungen zu begrenzen.“

Für Reiner Wild ist diesen Vorgehen der Vermieter nicht unumstritten, aber juristisch gerade noch vertretbar. Wild verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs. Eine Erhöhung der Nebenkosten muss sich demnach an der Betriebskostenabrechnung aus dem letzten Jahr orientieren. Eine weitere Erhöhung sei aus anderen Gründen vertretbar: wie beispielswiese dem Ukraine-Krieg oder der jüngsten Gas-Drosselung durch Russland. Zurzeit fließt durch die Pipeline Nord Stream 1 nur 20 Prozent der Gasmenge.

Verwunderung bleibt trotzdem: Die Familie aus Pankow muss für das letzte Jahr eine Nachzahlung von 187,35 Euro leisten. Passt das jetzt mit einer monatlichen Erhöhung der Nebenkosten von 102 Euro zusammen? Eigentlich nicht. „Wir hatten in Deutschland aber noch nie eine solche Erhöhung der Gaspreise“, sagt Reiner Wild fast verständnisvoll. Der Klageweg für Mieter sei dennoch denkbar, meint er. „Aber vielleicht tut eine hohe Vorauszahlung weniger weh als eine satte Nachzahlung am Jahresende.“