Bürgermeister Klitschko: Wohngebäude in Kiew von russischen Raketen getroffen

Luftalarm in Kiew: Am Nachmittag sind offenbar zwei Wohnhäuser bei russischen Angriffen zerstört worden. Rettungskräfte seien unterwegs.

Ein beschädigtes Gebäude am Ort des russischen Beschusses. Wie die Behörden mitteilten, wurden Wohngebäude im Herzen der ukrainischen Hauptstadt getroffen.
Ein beschädigtes Gebäude am Ort des russischen Beschusses. Wie die Behörden mitteilten, wurden Wohngebäude im Herzen der ukrainischen Hauptstadt getroffen.dpa/AP/Andrew Kravchenko

Bei russischen Raketenangriffen auf Kiew sollen mehrere Wohngebäude getroffen worden sein. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Angaben des Bürgermeisters der ukrainischen Hauptstadt, Vitali Klitschko. Sanitäter und Rettungskräfte seien unterwegs.

Insgesamt seien allein über dem Stadtgebiet vier Raketen abgeschossen worden. Informationen über Opfer lagen zunächst nicht vor. Die ukrainische Luftabwehr habe mehrere Raketen über Kiew abgefangen. Mindestens die Hälfte der Bewohner sei ohne Strom, erklärte Klitschko.

Der stellvertretende Leiter des ukrainischen Präsidialbüros, Kyrylo Tymoschenko, erklärte, die Raketen seien von russischen Streitkräften abgefeuert worden. Er verbreitete Filmmaterial, auf dem ein Feuer in einem fünfstöckigen Wohnhaus in Kiew zu sehen ist. „Die Gefahr ist nicht vorbei“, erklärte Tymoschenko und forderte die Bewohner auf, in Schutzräumen zu bleiben.

Ukraine: Angriffe sind Reaktion auf Selenskyj-Rede bei G20

Der Angriff sei offenbar eine Reaktion auf die Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beim G20-Gipfel, erklärte Präsidentenberater Andrij Jermak. In der Rede hatte Selenskyj die Staats- und Regierungschefs der G20-Länder aufgefordert, Moskau zur Beendigung seines Angriffskrieges zu drängen.

Auch im Umland von Kiew habe es Einschläge gegeben. Über Angriffe wurde auch aus den Gebieten Odessa, Tscherkassy, Kirowohrad, Chmelnyzkyj, Charkiw und Dnipropetrowsk berichtet. Zwischenzeitlich wurde im gesamten Land Luftalarm ausgerufen. Ukrainischen Medienberichten zufolge wurden die Raketen über dem Kaspischen Meer abgefeuert.

Nach Einschlägen in den westukrainischen Großstädten Lwiw und Kowel wurde von massiven Stromausfällen berichtet. Auch in Kiew warnte der Stromnetzbetreiber vor außerplanmäßigen Stromabschaltungen zur Stabilisierung des Netzes. Viele Hauptstadtviertel haben bereits seit knapp einem Monat nur stundenweise Strom.

Hälfte der Stadt offenbar ohne Strom

Der Vizechef des Präsidentenbüros, Kyrylo Tymoschenko, bezeichnete die Situation nach vergangenen Einschlägen in Energieinfrastrukturobjekte als „kritisch“. „Die meisten Treffer wurden im Zentrum und im Norden des Landes festgestellt“, schrieb der 33-Jährige im Nachrichtendienst Telegram. Der staatliche Energieversorger Ukrenerho habe zu außerordentlichen Stromabschaltungen übergehen müssen, um das Netz auszubalancieren. Tymoschenko forderte die Bevölkerung zum Stromsparen auf. 

Die staatlichen Eisenbahnen warnten indessen vor Zugverspätungen von bis zu einer Stunde. Wegen möglicher Stromausfälle seien Dieselloks als Reserve bereitgestellt worden.