Schwerin - Die Schutzmaßnahmen vor Wölfen in Mecklenburg-Vorpommern reichen aus Sicht von Schäfern angesichts steigender Wolfszahlen nicht mehr aus. „Wir haben mehrere Kollegen, die schon Angriffe von Wolfsrudeln haben und diese selbst mit Herdenschutzhunden nicht mehr abwehren können“, sagte die Vorsitzende des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Susanne Petersen, der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Schafhalter im Landkreis Rostock beispielsweise habe seit Oktober bereits sechs Attacken verzeichnet. Nach Angaben des Umweltministeriums stieg die Zahl der Wolfsrudel in dem Bundesland von elf auf 15. Neue Rudel wurden demnach unter anderem südlich von Güstrow, in der Feldberger Seenlandschaft und bei Lübtheen beobachtet. Das Thema sorgt immer wieder für Streit, zuletzt schloss der Bundesverband Berufsschäfer in dem Zusammenhang den Vorsitzenden des Schafzuchtverbands Berlin-Brandenburg aus.

Petersen forderte, die bisherigen Regelungen zum Abschuss von Wölfen zu vereinfachen und konsequent anzuwenden. Ein bisher zu erbringender Nachweis, dass sich derselbe Wolf auf Schafe spezialisiert und zweimal einen Schutzzaun überwunden habe, sei zu kompliziert und gelinge nur selten. „Mit Totschießen löst man auch nicht alle Probleme“, so Petersen, die Tierärztin ist. Man werde mit Wölfen leben müssen, aber die Schäfer würden nicht ständig in ihrer Existenz bedroht sein wollen.

Wolf: In Deutschland streng geschützt

Dazu komme, dass die Raubtiere auch „lernen müssten“, dass sie Nutztiere nicht ungestraft angreifen dürften, sagte die Verbandsvorsitzende. Dazu müssten alle Schäfer ihre Schutzzäune auch richtig aufbauen, was in Einzelfällen noch nicht der Fall sei. 2020 gab es in Brandenburg bereits mehr als doppelt so viele Wolfsattacken auf Nutztiere wie im gesamten Jahr 2019. Bis Ende Oktober hatte das Ministerium 80 Attacken mit rund 400 getöteten und verletzten Schafen, Kälbern, Damhirschen und anderen Nutztieren registriert.

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) rechnet mit jährlich etwa 30 Prozent mehr Wölfen. Wölfe sind in der EU und in Deutschland streng geschützt. Im Februar hat der Bundesrat den Abschuss dennoch etwas erleichtert, wenn es Angriffe auf Nutztiere gibt. Die Regelung erlaubt den Abschuss auch dann, wenn nicht klar ist, welches Raubtier genau etwa Schafe gerissen hat – und zwar so lange, bis es keine weiteren Schäden mehr gibt. Dennoch muss jeder Abschuss einzeln genehmigt werden.