Selenskyj: Kriegsverbrechen nach russischem Rückzug aus Cherson

Wie auch in den anderen befreiten Gebieten wurden nach Aussage Selenskyjs Leichen gefunden – „von Zivilisten und Soldaten“.

Wolodymyr Selenskyj
Wolodymyr Selenskyjdpa/Michael Kappeler

Nach dem Rückzug russischer Truppen aus Cherson hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj von „Gräueltaten“ durch russische Soldaten in der Region berichtet. „Die Leichen von Getöteten wurden gefunden: von Zivilisten und Soldaten“, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videobotschaft am Sonntagabend. In der Region Cherson habe die russische Armee die „gleichen Gräueltaten“ begangen „wie in anderen Teilen unseres Landes, in die sie eindringen konnte“.

Der ukrainische Staatschef kündigte an, „jeder Mörder“ werde „gefunden und vor Gericht gestellt“. 400 russische „Kriegsverbrechen“ seien dokumentiert worden, fügte er hinzu. Ob sich diese Zahl allein auf die Region Cherson bezog, sagte er nicht.

Aufgabe von Cherson ist herbe Niederlage für Russland

Rund neun Monate nach Beginn des Krieges hatte Moskau angesichts der Fortschritte der ukrainischen Gegenoffensive den Rückzug aus der ukrainischen Stadt Cherson und dem Norden der gleichnamigen Region angeordnet. Am Freitag hatte die russische Armee die Regionalhauptstadt vollständig geräumt.

Für Russland stellte der Abzug eine herbe Niederlage dar. Cherson war die einzige Regionalhauptstadt, die die russischen Truppen erobert hatten. Für Moskau ist die Region zudem strategisch von großer Bedeutung, um die Offensive in Richtung Mykolajiw und zum Schwarzmeerhafen Odessa fortsetzen zu können.