Wien - Die Corona-Krise hat neben vielen Verlieren auch einige Gewinner hervorgebracht: Während der ersten Welle waren das vor allem Hersteller von Klopapier, Fertigsuppen und allen voran der Online-Handel. Nun reiht sich ein weiterer, seltsam anmutender Profiteur in die Siegerreihe ein: ein Entwurmungsmittel für Tiere. 

Ivermectin, so heißt das Präparat, wird eigentlich bei Pferden und Kühen gegen Parasiten – Läuse, Zecken, Milben – eingesetzt. In vielen österreichischen Apotheken ist das Mittel derzeit ausverkauft, weil einige Impfskeptiker glauben, Ivermectin sei die Alternative zur Corona-Impfung und könne sie vor einer schweren Covid-19-Erkrankung bewahren. Völlig aus der Luft gegriffen ist das nicht: In einigen Ländern wurde die Einnahme von Ivermectin zur Corona-Bekämpfung bereits empfohlen, obwohl die WHO dies entschieden ablehnte. Einen sicheren Beleg, dass die Wurmkur jenen Nutzen hat, den ihm einige zusprechen, gibt es jedenfalls nicht

FPÖ-Chef warb für Wurmkur-Mittel – nun ist er selber an Covid-19 erkrankt

Einer, der diesem Glauben an das neue Corona-Heilmittel zu ordentlich Auftrieb verhalf, ist der österreichische Politiker Herbert Kickl. Kickl ist Chef der rechten FPÖ, Impfskeptiker – und inzwischen selbst an Covid-19 erkrankt. Weil er die Wirksamkeit von Impfstoffen anzweifelt, hatte Kickl einen „Plan B“ gegen das Virus vorgestellt. Das „sture Festhalten“ der Regierung an der Impfung als „alleiniges Allheilmittel“ führe Österreich auf den Holzweg, so Kickl darin. Stattdessen solle das Land auf das Entwurmungsmittel Intermectin setzen, bei rechtzeitiger Einnahme sei es ein probates Mittel gegen das Coronavirus, propagiert der FPÖ-Chef.  

Laut Bild-Zeitung soll in den USA bereits eine 47-jährige Frau infolge einer Ivermectin-Einnahme gestorben sein. Dabei handele es sich um eine zweifache Mutter aus dem Bundesstaat Florida, die an die Wirkung der Wurmkur glaubte. Ihr Mann habe Bild zufolge sogar das Krankenhaus in Palm Beach verklagt, in dem seine Frau am Beatmungsgerät lag. Er wollte erreichen, dass man ihr mehr Ivermectin verabreiche und halte noch heute daran fest, dass seine Frau noch leben würde – wenn sie genügend von dem Mittel bekommen hätte.