BerlinSchluss mit Besserung: Nachdem die Zahl der Arbeitslosen in Berlin in den vergangenen vier Monaten jeweils etwas zurückgegangen war, nahm sie im Dezember wieder zu. Nach Angaben der hiesigen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit waren im letzten Monat des Jahres in der Stadt 202.388 Menschen als arbeitslos registriert. Das waren 75 Arbeitslose mehr als im November. Für Ramona Schröder, seit Dezember vergangenen Jahres Chefin der regionalen Arbeitsagenturen, zeige sich der Arbeitsmarkt damit trotz des neuerlichen Lockdowns zum Jahresende in einer stabilen Verfassung. „Die Arbeitslosigkeit in Berlin ist im Dezember faktisch unverändert.“

Also alles halb so schlimm? Obwohl die Gastronomie seit Monaten im künstlichen Koma liegt, die Veranstaltungsbranche ohne Arbeit und nun auch der Einzelhandel im Lockdown gefangen ist? Arbeitsagentur-Chefin Schröder begründet den vermeintlichen Widerspruch damit, dass Arbeitsmarktzahlen stets eine faktische und eine emotionale Seite hätten. So seien etwa in der Gastronomie binnen eines Jahres in der Tat etwa 7000 Jobs weggefallen, andererseits würden in diesem Bereich aber nur fünf Prozent der Berliner Beschäftigten arbeiten. Auf der anderen Seite stünden etwa die IT- und Kommunikationsbranche, die Gesundheits- oder die Logistikwirtschaft in Berlin sehr gut da. Dort seien auch neue Jobs entstanden.

Tatsächlich ist die Dezemberbilanz eine Momentaufnahme und im konkreten Fall nur bedingt aussagekräftig. Denn der Mitte Dezember begonnene zweite Lockdown ist in den jetzt vorgelegten Zahlen noch gar nicht berücksichtigt, weil der Stichtag für die Datenerhebung vor dem Start des Lockdowns lag. Vergleicht man jedoch die aktuellen Arbeitslosenzahlen mit denen aus dem Dezember 2019, werden die Auswirkungen der Corona-Krise deutlich: Vor einem Jahr gab es in Berlin noch 52.238  Arbeitslose weniger. Binnen eines Jahres stieg die ihre Zahl somit um 35 Prozent, unter Jugendlichen und Menschen mit Migrationshintergrund sogar um mehr als 40 Prozent.

Grafik: BLZ/Hecher, Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Dabei hat Kurzarbeit noch Schlimmeres verhindert. Nachdem schon im November wieder mehr Berliner Betriebe Kurzarbeit angezeigt hatten, blieb dies auch im Dezember auf diesem Niveau. Insgesamt 2708 Betriebe meldeten im Dezember für 21.000 Mitarbeiter Kurzarbeit an. Wie viele Beschäftigte tatsächlich kurz arbeiten, lässt sich laut Arbeitsagentur erst frühestens im März sagen. Schätzungen zufolge dürften derzeit mehr als 100.000 Berliner auf Kurzarbeit gesetzt sein – vor allem im Gastgewerbe, im Einzelhandel, der Tourismusbranche sowie verschiedenen Dienstleistungsbereichen. Insgesamt sei nach Arbeitsagenturangaben bislang etwa eine Milliarde Euro als Kurzarbeitergeld gezahlt worden. Geld, mit dem ein schneller Neustart der Betriebe ermöglicht und Arbeitslosigkeit vermieden werden soll. Arbeitsmarktforscher schätzen, dass  Berlin ohne die Kurzarbeitergeldregelung mindestens 100.000 Arbeitslose mehr hätte.

Dabei sind die Zahlen der Arbeitslosenstatistik auch so schlimm genug, zumal sie nur die halbe Wahrheit verraten. Minijobber etwa sind darin gar nicht erfasst. Es tauchen dort auch nicht jene mehr als 11.000 Solo-Selbstständigen auf, die ihre Arbeit in den vergangenen Monaten verloren und Grundsicherung beantragt haben. Auch Menschen, die 58 Jahre und älter sind und denen der Statistik-Methodik nach keine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Vermittlung in den Arbeitsmarkt unterstellt wird, finden keinen Platz im veröffentlichten Zahlenwerk der Arbeitsagentur. Wer krank ist oder gerade eine Weiterbildung macht, wird in einem Unterpunkt der Arbeitslosenstatistik aufgeführt. Dort wird die aktuelle Arbeitslosenquote mit 12,5 Prozent angegeben, während die offizielle bei 10,1 Prozent liegt.

Grafik: BLZ/Hecher, Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Bundesweit liegt die offizielle Arbeitslosenquote aktuell bei 5,9 Prozent. Im Dezember war die Zahl der Arbeitslosen um 8000 auf über 2,7 Millionen gestiegen. Im Vorjahresvergleich gingen damit in Deutschland 480.000 Jobs verloren. Die Arbeitslosenzahlen stiegen um 21,6 Prozent.