Berlin - Menschen wenden sich im Lockdown zunehmend an die Telefonseelsorge: Im ersten Monat dieses Jahres seien mehr als 6200 Seelsorge- und Beratungsgespräche mehr geführt worden als im Vorjahreszeitraum, berichtete die Bild am Montag. Demnach hätten sich im Januar 87.144 Menschen an die Krisenhelfer gewandt.

Besonders groß war die Zunahme dem Bericht zufolge im November des vergangenen Jahres mit einem Plus von 14,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sowie in der Osterwoche mit einem Plus von 25 Prozent. Der Anteil der Menschen, die wegen Einsamkeit anriefen, habe sich um 20 Prozent erhöht.

CDU-Sprecher fordert Krisengipfel zum Thema Einsamkeit

„Die gesamte Gesellschaft steht zunehmend unter Druck“, sagte der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Alfred Bauer, der Zeitung. Der Lockdown isoliere auch Gruppen, die unter normalen Umständen kaum Probleme mit Einsamkeit hätten: Schüler, Studenten, Azubis, Gastronomen und Alleinerziehende. Er warnte: „Wenn diese Lockdownphase noch länger andauert, wird die Gesamtsituation für viele unerträglich.“

Der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Marcus Weinberg (CDU), forderte einen Krisengipfel der Bundesregierung zum Thema Einsamkeit. „Es braucht eine Strategie mit einem kurzfristigen Aktionsplan zur Bekämpfung der Einsamkeit“, sagte Weinberg der Zeitung. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Katja Mast, warnte, Einsamkeit sei „keine individuelle, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung“. Dauerhafte Einsamkeit mache krank. „Deshalb müssen wir alle gemeinsam dafür sorgen, dass niemand übersehen wird“, sagte sie der Bild.