Potsdam - In Brandenburg haben sich im Juni nach dem bisherigen Höhepunkt zunehmend weniger Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen. In der zweiten Juni-Woche gab es nach Angaben der Landesregierung rund 186.000 Impfungen, in der dritten Woche im Juni waren es noch rund 154.000 und in der letzten kompletten Juni-Woche wurde der Schutz rund 132.000 Mal verabreicht. Die Gründe für den Rückgang waren zunächst unklar. In der letzten Juni-Woche begannen die Sommerferien in Brandenburg.

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) wandte sich gegen Strafen für Impftermine, die nicht besetzt werden. „Ich bin klar gegen Bußgelder“, sagte sie am Montag. „Wir möchten die Menschen durch Argumente für das Impfen gewinnen, nicht durch Sanktionen abschrecken.“ Sie forderte, dass bereits gebuchte Termine, die nicht eingehalten werden können, unbedingt bei der jeweiligen Arztpraxis oder im Impfzentrum abgesagt oder verschoben werden. Auf keinen Fall solle Impfstoff vernichtet werden müssen. „Wer sich, seinen Liebsten und der Gesellschaft etwas Gutes tun möchte, sollte sich impfen lassen, gerade auch mit Blick auf die hochinfektiöse Delta-Variante.“

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte in der Bild am Sonntag Strafen für die, die nicht ihren Termin absagen, als richtig bezeichnet. Die Bundesregierung lehnte Sanktionen für Schwänzer von Impfterminen allerdings ab. Brandenburgs Grünen-Landtagsfraktionschef Benjamin Raschke brachte in der Märkischen Allgemeinen (Montag) ein Bonussystem ins Spiel, um Anreize für das Impfen zu schaffen.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Brandenburg ist vollständig geimpft

Bisher sind in Brandenburg rund 886.000 Menschen vollständig geimpft, das entspricht knapp 53 Prozent der Bevölkerung. Mit dem Anteil liegt Brandenburg im Ländervergleich auf dem zweitletzten Platz und nicht mehr hinten, den letzten Rang belegt Thüringen. Rund 1,3 Millionen Menschen haben eine erste Impfung erhalten, das sind rund 35 Prozent - im bundesweiten Vergleich liegt Brandenburg jedoch nun hinten.

Die Gesundheitsämter in Brandenburg meldeten innerhalb eines Tages keine neuen Corona-Ansteckungen. Wegen des Wochenendes gehen die Meldungen teils zeitverzögert ein. Damit bleibt die Zahl neuer Infektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche nach Angaben des Gesundheitsministeriums bei 2,3. Sie ist im Landkreis Elbe-Elster mit 11,8 am höchsten. Nur in drei Ländern ist die Sieben-Tage-Inzidenz geringer als in Brandenburg: In Sachsen liegt sie nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 2,1, in Mecklenburg-Vorpommern bei 1,3 und in Sachsen-Anhalt bei 1,0. Am Montag vor einer Woche waren in Brandenburg drei neue Corona-Fälle hinzugekommen.