Viele Obdachlose, Selbstständige und Arbeitssuchende haben keine Krankenversicherung (Symbolbild).
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WiesbadenRund 143.000 Menschen in Deutschland haben keinen Krankenversicherungsschutz. Das geht aus bereits Ende Juli veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. 2015 waren es noch rund 80.000. Die Ergebnisse stammen aus den alle vier Jahre erhobenen „Angaben zur Krankenversicherung“, die sich auf den sogenannten Mikrozensus beziehen. Das ist eine offizielle Befragung von jeweils rund einem Prozent aller Haushalte, die jährlich stattfindet.

Die Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sabine Zimmermann (Die Linke) fordert, es müsse sofort ein Fonds eingerichtet werden, um die Behandlung von unversicherten Menschen zu finanzieren. „Außerdem müssen freiwillig Versicherte wie etwa Selbstständige mit geringen Ein­künf­ten noch deutlich stärker ent­las­tet werden“, so Zimmermann auf Facebook.

Zuerst hatte die Saarbrücker Zeitung über die neuen Zahlen berichtet. Fachleuten zufolge seien vor allem Selbstständige, Arbeitssuchende und Obdachlose betroffen. Sowohl Bundesgesundheitsministerium als auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) konnten sich den Anstieg nicht genau erklären. „Selbst wenn Menschen ihre Kassenbeiträge aus persönlichen Gründen nicht begleichen können, verlieren sie trotzdem nicht ihre Krankenversicherung“, so GKV-Sprecher Florian Lanz gegenüber der Zeitung. Laut Verbraucherzentrale hat man im Fall von Schulden allerdings nur dann Anspruch auf Leistungen, wenn etwa ein Notfall vorliegt.