Berlin - In Berlin ist die Zahl der Organspender und der gespendeten Organe auch im zweiten Pandemiejahr gesunken. 2021 wurden 49 Spendern nach ihrem Tod Organe entnommen, 2020 waren es 52 Spender und 2019, dem Jahr vor der Pandemie, 55 Spender, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mitteilte. Auch die Zahl der gespendete Organe sank: Von 165 im Jahr 2019 auf 135 im Jahr 2021.

Ende April standen in Berlin 427 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan, so eine DSO-Sprecherin mit Verweis auf Daten der Vermittlungsstelle Eurotransplant. Am häufigsten benötigen sie neue Nieren und Herzen.

Für 2022 hat die Stiftung bundesweit bereits im April von einem dramatischen Einbruch bei der Organspende berichtet. In deutschen Transplantationszentren konnten demnach im ersten Quartal 600 Organe übertragen werden - 194 Transplantationen weniger als im Vorjahreszeitraum, was einem Rückgang von 24 Prozent entspricht.

Die DSO vermutet, dass für den Einbruch der Zahlen die Arbeitsüberlastung in den Kliniken ein Grund sein könnte: „Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass hierdurch weniger Organspenden realisiert werden konnten, als unter normalen Umständen möglich gewesen wären.“ Auch die Zahl der Nein-Voten nach den Beratungsgesprächen nahm zu. Ein weiterer Grund ist, dass Verstorbene mit einer Corona-Infektion von der Organspende ausgeschlossen waren.

In Berlin erhielten Patienten im vergangenen Jahr insgesamt 203 Organe - 20 weniger als 2020. 2019 waren noch 239 Organe transplantiert worden, 2018 deutlich mehr: 272 Organe.

An diesem Samstag, dem 4. Juni, ist Tag der Organspende. Die Organisatoren wollen Menschen überall in Deutschland dazu motivieren, eine Entscheidung zur Organspende zu treffen.

Laut einer bundesweiten Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben 44 Prozent der Befragten ihre Entscheidung über eine Organspende in einem Ausweis oder einer Patientenverfügung dokumentiert. Von ihnen stimmen 73 Prozent einer Organspende zu. Befragt wurden rund 4000 Personen zwischen 14 und 75 Jahren von Januar bis Februar 2022

Die Vermittlung postmortal gespendeter Organe erfolgt über die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant. Dort sind alle Patienten der acht Mitgliedsländer registriert, die auf ein oder mehrere Spenderorgane warten.