Berlin - Mit dem Online-Modehändler Zalando und dem Kochboxenlieferanten Hello Fresh steigen zwei weitere in Berlin gegründete Firmen in den Leitindex der nunmehr 40 größten börsennotierten deutschen Unternehmen auf. Das gab die Deutsche Börse am Freitagabend bekannt. Insgesamt haben nun fünf Dax-Unternehmen ihren Sitz in der Hauptstadt. 

Hintergrund ist eine Vergrößerung des Dax von bisher 30 auf künftig 40 Aktienwerte. Umgesetzt wird die Reform am 20. September. Im Gegenzug verkleinert der Frankfurter Marktbetreiber wie im November angekündigt den MDax der mittelgroßen Werte von 60 auf 50 Titel.

„Der Aufstieg von Zalando und Hello Fresh in den Dax ist ein wichtiger Tag und eine Zeitenwende für Berlin“, so Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). „Noch vor einigen Jahren fragte man sich, wie Dax-Unternehmen nach Berlin gelockt werden können. Heute werden Berliner Gründungen zu Dax-Konzernen und verjüngen den Leitindex deutlich. Das illustriert den Erfolg der Digitalwirtschaft in der Hauptstadt und unterstreicht den beeindruckenden Aufschwung des Wirtschaftsstandortes Berlin der letzten Jahre.“

Neben Hello Fresh und Zalando sind unter den Dax-Neulingen der deutsch-französische Flugzeughersteller Airbus, der Chemikalienhändler Brenntag, die Holdinggesellschaft Porsche, der Sportartikelhersteller Puma, das Biotechnologie- und Diagnostikunternehmen Qiagen, der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius, der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers und der Aromen- und Duftstoffhersteller Symrise.

Leitindex soll deutsche Wirtschaft repräsentativer abbilden

Die Vergrößerung des Dax hatte die Deutsche Börse im vergangenen Jahr beschlossen. Lange wurde das wichtigste deutsche Börsenbarometer von den vier Branchen Chemie, Autoindustrie, Energie und Finanzdienstleistungen dominiert. Nun soll der Leitindex die deutsche Wirtschaft repräsentativer abbilden.

Die Zusammensetzung des Dax, den es seit Juli 1988 gibt, soll künftig zweimal statt nur einmal jährlich regulär überprüft werden. Neu aufnehmen in den Dax will die Deutsche Börse künftig nur noch profitable Unternehmen. Wer Mitglied werden will, muss mindestens auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in den vorhergehenden beiden Geschäftsjahren profitabel gewesen sein. Pleitekandidaten und Konzerne, die ihrer Pflicht zur fristgerechten Veröffentlichung von Zwischenberichten nicht nachkommen, sollen nichts mehr in der ersten deutschen Börsenliga verloren haben.

Mit der Verschärfung der Regeln für die Dax-Familie reagiert die Börse auf den Wirecard-Bilanzskandal. Der Zahlungsdienstleister hatte sich trotz milliardenschwerer Luftbuchungen, die im Sommer 2020 aufflogen, noch über Monate im Dax halten können, weil die bisherigen Regeln einen raschen Rauswurf aus dem Leitindex nicht zuließen. Für Kritik sorgte auch, dass für Wirecard der Essenslieferant Delivery Hero in den Dax aufrückte und damit ein Unternehmen, das seit seiner Gründung 2011 im laufenden Geschäft noch nie Geld verdient hat. (mit dpa)