Berlin - In Berlin und Brandenburg sind in diesem Jahr bereits 665 Fälle von Borreliose nach Zahlen des Robert Koch-Instituts gemeldet worden. Allein in der Hauptstadt sind es 258 Fälle der Krankheit, die durch Zeckenstiche übertragen wird, und damit etwas mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (251). In Brandenburg sind es 407 Fälle und damit weniger Fälle (519) als zuvor.

Im Jahr 2020 lagen die Zahlen für beide Länder mit 2638 gemeldeten Fällen auf einem Rekordhoch seit der Erhebung. Der Biologe und Zeckenexperte Martin Komorek vermutet, dass es daran lag, dass es mehr Menschen im Pandemie-Jahr nach draußen zog. „Es waren viel mehr Menschen im Freien unterwegs, das macht sich natürlich bemerkbar.“

Laut einer Erhebung der Uni-Klinik Leipzig bemerken nur rund 70 Prozent der Betroffenen den Stich – manchmal auch erst einige Zeit später. „Es ist wichtig, Kleidung und Körper nach einem Waldspaziergang gründlich abzusuchen“, sagt der Biologe Martin Komorek. Mit Kollegen betreibt er den Zeckenradar, ein Informationsportal rund um die kleinen Tierchen.

Grafik: BLZ/Galanty

Borreliose kann Haut, Nervensystem oder Gelenke betreffen

Zecken sind deutschlandweit aktiv – auch in Berlin und Brandenburg. Der Parasit ist für Tier und Mensch gefährlich. Er kann die bakterielle Infektionskrankheit Borreliose sowie – deutlich seltener, aber sehr gefährlich – die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, eine Gehirn-, Hirnhaut- oder Rückenmarkentzündung.

Borreliose kann verschiedene Organsysteme betreffen, vor allem die Haut, das Nervensystem und die Gelenke. Daher ist der Krankheitsverlauf sehr unterschiedlich und teils schwer von anderen Krankheiten abzugrenzen. Am häufigsten ist die sogenannte Wanderröte, ein roter Kreis, der sich um die Einstichstelle bildet und sich langsam vergrößert. Er kann nach einigen Tagen bis mehreren Wochen auftreten.

Ist das Nervensystem betroffen, kann sich dies durch brennende Nervenschmerzen bemerkbar machen, die sich vor allem nachts verschlimmern und mit Taubheitsgefühlen und Seh- oder Hörstörungen einhergehen können. Einige Monate oder Jahre später kann eine Gelenkentzündung auftreten.

Grafik: BLZ/Galanty

Berlin und Brandenburg sind kein Risikogebiet für FSME

Bisher gibt es keine Impfung gegen die Krankheit. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) können, je nach Region, bis zu 30 Prozent der Zecken die sogenannten Borrelien in sich tragen. Nach Untersuchungen aus Deutschland und der Schweiz wurde nach einem Zeckenstich bei 2,6 bis 5,6 Prozent der Betroffenen eine Borrelien-Infektion durch Antikörper im Blut nachgewiesen. Laut RKI erkrankt nur ein kleiner Teil (0,3 bis 1,4 Prozent) der Infizierten.

FSME dagegen kommt deutlich seltener vor. Nur 0,1 bis 5 Prozent der Zecken tragen das Virus laut RKI in den Risikogebieten vor allem im Süden Deutschlands in sich. Berlin und Brandenburg zählen bislang nicht dazu. In den beiden Ländern wurden im vergangenen Jahr insgesamt 12 FSME-Fälle gemeldet, vielleicht von Menschen, die sich in anderen Regionen infiziert haben. Erkrankte sind wie auch bei der Borreliose nicht ansteckend.

FSME macht sich durch Symptome einer Sommergrippe mit Fieber und Gliederschmerzen bemerkbar. Da sie durch Viren verursacht wird, hilft kein Antibiotikum. Wer gern in der Natur auch in Süddeutschland unterwegs sei, dem rät Biologe Komorek auf jeden Fall zu einer Impfung. Laut RKI sind vor allem Menschen ab 50 Jahren und eher Männer als Frauen betroffen.

Experte: Zecken sind faul 

Zecken mögen es feucht, sie machen es sich daher häufig im Laub auf dem Waldboden bequem. Besonders nach Regentagen werden sie aktiv und suchen sich eine Blutmahlzeit. Die brauchen sie, um sich zu vermehren. Dazu klettern sie gern Gräser hoch und warten, bis sie ein Wirt mitstreift. „Zecken springen nicht auf Menschen oder Tiere, sie sind sehr faul“, sagt Komorek, der für Untersuchungen auch Zecken fängt.

Aber wie kann man sich vor den Erkrankungen schützen, die Zecken übertragen? Komorek rät, Zecken möglichst schnell zu entfernen. Denn bis Borrelien in den menschlichen Körper gelangen, dauert es mehrere Stunden. Ab zwölf Stunden steigt das Infektionsrisiko.

Um den Stich nicht zu vergessen, rät Komorek, mit einem Kugelschreiber oder einem länger haltbaren Edding einen Kreis um die Stelle zu machen und diese dann einige Zeit, auch noch einige Wochen, im Auge zu behalten. Bildet sich ein roter Kreis, der sich langsam ausbreitet, sollte man einen Arzt aufsuchen. „Das Wichtigste ist, dass man den Stich bemerkt.“