London - Nach der Einschläferung des Alpakas Geronimo in England hat der Verband der britischen Alpaka-Züchter den Umgang der Behörden mit dem Tier scharf kritisiert. Die Mitarbeiter der Behörde für Tier- und Pflanzengesundheit hätten das Tier „schändlich und abscheulich“ behandelt, als sie es beschlagnahmten, schrieb die Chefin der British Alpaca Society, Sue Loach, in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief an das Umweltministerium. Sie forderte, die Verantwortlichen zu suspendieren und eine Untersuchung der Vorgänge vom Dienstag einzuleiten.

Mehrere Behörden-Mitarbeiter hatten Geronimo unter Polizeischutz auf dem Hof seiner Besitzerin Helen Macdonald im westenglischen Wickwar eingefangen und in einen Anhänger gezerrt. Loach warf ihnen vor, sie seien dabei völlig unsachgemäß mit dem Tier umgegangen. „Ihr Verhalten war ekelhaft, abstoßend und grausam und missachtete Geronimos Wohlergehen völlig.“ Das mangelnde Wissen über den richtigen Umgang mit Alpakas „war erschreckend und völlig unentschuldbar“. Geronimo sei unter erheblichem Stress auf den Anhänger gedrängt und dort angebunden worden. „Es ist zudem gut dokumentiert, dass sich Alpakas beim Transport hinsetzen. Geronimo wurde jedoch wie ein Pferd angebunden“, kritisierte Loach.

Die Alpaca Society hat nach eigenen Angaben 2000 Mitglieder in Großbritannien und führt die Aufzeichnungen über die landesweit rund 40.000 registrierten Klein-Kamele.

Geronimo war nach langem Streit eingeschläfert worden, nachdem das Tier zweimal positiv auf die tödliche und ansteckende Rindertuberkulose getestet worden war. Besitzerin Macdonald hatte bis zum Schluss einen weiteren und – nach ihren Angaben – genaueren Test gefordert. Die Debatte hatte sogar die Familie von Premierminister Boris Johnson erreicht.