Berlin - Die Bundesregierung will das Thema Zwangsadoptionen in der DDR wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Dazu soll ein Beschluss des Bundestags umgesetzt werden. „Bedeutung, Umfang und historische Dimension von politisch motivierten Adoptionen im Unrechtssystem der SED-Diktatur sind trotz der gravierenden Auswirkungen auf die Betroffenen kaum erforscht“, heißt es vom Bundesinnenministerium.

Forschungseinrichtungen, die die Aufarbeitung übernehmen wollen, können sich bis Mitte August beim Innenministerium bewerben. Gefördert wird das Projekt mit bis zu einer Million Euro.

Kinder wurden zu DDR-Zeiten als Druckmittel benutzt

Ermittelt werden soll beispielsweise, wie vielen Eltern in der DDR nach der Geburt das Kind weggenommen wurde. Nach einer externen wissenschaftlichen Evaluation und Vorauswahl soll ein Gremium über die Projektvergabe entscheiden. Ihm gehören Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und Vertreter der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft sowie der Bundesstiftung Aufarbeitung an. Harte Kritiker der DDR galten in den Augen der SED-Regierung als asozial, Kinder wurden als Druckmittel benutzt.

Die Interessengemeinschaft gestohlene Kinder der DDR e.V. macht seit Jahren auf das Thema aufmerksam. Während die Interessengemeinschaft selbst von 300 bis 400 Adoptionsfällen spricht, gehen Historiker wiederum von einigen Einzelfällen aus. Als einigermaßen unstrittig gilt, dass Kinder von Republik-Flüchtlingen oder vehementen Regimekritikern häufig in ein Heim kamen. Genaue und valide Zahlen soll jetzt die von der Bundesregierung geförderte Untersuchung erbringen.