In Frankreich hat am Sonntag die zweite Runde der Parlamentswahl begonnen. Die Wähler sind aufgerufen, die 572 Sitze der Nationalversammlung zu bestimmen, die bei der ersten Runde am vergangenen Sonntag noch nicht vergeben worden waren. Die Wahllokale sind bis 18.00 Uhr geöffnet, in Großstädten auch bis 20.00 Uhr.

Rund 48 Millionen Menschen sind zur Wahl aufgerufen. Umfragen zufolge wird mit einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung gerechnet. Bereits beim ersten Wahldurchgang am 12. Juni war nur jeder zweite Bürger zu den Urnen gegangen.

Das Parteienbündnis hinter Präsident Emmanuel Macron muss nach den jüngsten Umfragen fürchten, die absolute Mehrheit zu verlieren. Das würde für Macron eine Schlappe bedeuten und anstehende Reformen erschweren. Es wird damit gerechnet, dass der Präsident bald nach der Wahl das Kabinett erneut umbildet.

Zuletzt zeichnete sich ab, dass das links-grüne Wählerbündnis Nupes unter der Führung des Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon die stärkste Oppositionsfraktion bildet. Es umfasst auch die Sozialisten, die Grünen und die Kommunisten.

Die rechtspopulistische Partei Rassemblement National könnte mit mindestens 15 Abgeordneten erstmals eine eigene Fraktion bilden. Ihrer Vorgängerpartei, der Front National, war dies zuletzt 1986 gelungen.

Nach Umfragen vom Freitag kann das Bündnis hinter Präsident Emmanuel Macron mit 255 bis 305 Sitzen rechnen. Nupes käme demnach auf 140 bis 180 Sitze. Für die absolute Mehrheit sind 289 Sitze notwendig - somit ist nicht ausgeschlossen, dass das Regierungslager seine absolute Mehrheit verlieren könnte.

Wenn die Wahl sehr knapp ausfällt, könnte die genaue Verteilung der Sitze in der Nationalversammlung erst spät in der Nacht bekannt werden. In einigen französischen Überseegebieten hatte die Wahl aufgrund der Zeitverschiebung bereits am Samstag begonnen.