Waabs - Ein Taucher hat bei Arbeiten in der Ostsee sechs weitere Chiffriermaschinen vom Typ Enigma aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Schleitaucher Christian Hüttner habe den Fund aus der Nähe von Schleimünde gemeldet, teilte das zuständige Archäologische Landesamt mit. Die Schlei ist ein Meeresarm der Ostsee in Schleswig-Holstein. „Bei der Suche nach einem verlorenen Schiffspropeller bin ich auf einen Haufen entsorgter Enigma-Maschinen gestoßen“, zitierte das Amt Hüttner. „Teilweise sind sie offensichtlich bereits vor dem Entsorgen unbrauchbar gemacht worden“, hieß es.

Den Fund habe er Anfang des Jahres gemacht, sagte der Berufstaucher der Deutschen Presse-Agentur. Er habe die Maschinen aufgrund des starken Bewuchses nicht sofort als solche erkannt. Bei genauerem Hinsehen seien lediglich Messingteile zu erkennen gewesen, ein paar Tasten hätten herausgeschaut. Im November 2020 hatten Forschungstaucher in der Geltinger Bucht bei der Suche nach herrenlosen Fischernetzen ebenfalls eine Enigma-Chiffriermaschine gefunden. Der Fund wird derzeit in der Werkstatt des Museums für Archäologie auf Schloss Gottorf in Schleswig restauriert.

Enigma-Entschlüsselung beeinflusste Krieg

In Kooperation mit Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft wollen die Experten des Landesamts die Maschine genauer untersuchen, beispielsweise mithilfe von 3-D-Computertomografie. Nach Angaben des Landesamts für Archäologie ist noch offen, wie die nun gefundenen Maschinen an ihren Fundort gelangten. Sie sollen fachgerecht konserviert werden. Nach Abschluss der Arbeiten ist eine Ausstellung zu den Chiffriermaschinen im Museum für Archäologie geplant. Laut Amt wurden während des Zweiten Weltkriegs schätzungsweise 100.000 bis 200.000 Enigmas gebaut, von denen es unterschiedliche Modelle gab.

Die Archäologen gehen davon aus, dass zahlreiche weitere Enigmas in schleswig-holsteinischen Gewässern versenkt wurden. Sie seien Teil der jüngeren deutschen Geschichte und ihre Fundorte könnten Aufschluss zu den Ereignissen am Ende des Zweiten Weltkrieges erbringen, hieß es weiter. Nach ersten Erfolgen von Experten des polnischen Geheimdienstes trug der britische Mathematiker Alan Turing während des Zweiten Weltkriegs maßgeblich dazu bei, den Enigma-Code zu knacken. Dies hatte Historikern zufolge großen Einfluss auf den U-Boot-Krieg im Atlantik, da die Briten dadurch die verschlüsselten Funk-Codes an deutsche Boote unbemerkt „mitlesen“ konnten.