Die Deutsche Bahn und die SNCF planen eine schnelle Direktverbindung zwischen Berlin und Paris. Außerdem soll der vor 15 Jahren gestartete Schnellverkehr mit ICE- und TGV-Zügen zwischen Frankfurt sowie Stuttgart und Paris ausgebaut werden, kündigten beide Bahnen am Dienstag in Straßburg an. Gespräche gibt es auch zu weiteren Schnellverbindungen von Deutschland nach Südfrankreich. Die Bahnchefs beider Länder, DB-Vorstandsvorsitzender Richard Lutz, sowie SNCF-Präsident Jean-Pierre Farandou, unterzeichneten eine Vereinbarung zur Ausweitung der Verbindungen.

„Der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Deutschland und Frankreich ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie attraktive Verbindungen die grenzüberschreitenden Verkehre auf der Schiene voranbringen“, sagte DB-Chef Lutz. „Unsere geplante neue Direktverbindung zwischen den Herzen unserer beiden Hauptstädte wird noch mehr Menschen für die Zugfahrt begeistern.“

„Mit der neuen Hochgeschwindigkeitsverbindung Berlin-Paris kommt eine weitere attraktive Alternative zum Fliegen auf die Schiene. Die Kooperation zwischen DB und SNCF zeigt seit nunmehr 15 Jahren, wie es funktionieren kann“, pflichtete Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) bei.

Für knapp 60 Euro von Berlin nach Paris, für knapp 70 Euro nach Marseille

Wann der neue Direktzug zwischen Berlin und Paris die Premierenfahrt erlebt, teilten die Beteiligten am Montag nicht mit. Schon jetzt gibt es aber Umsteigeverbindungen. So kann man in etwas mehr als acht Stunden mit dem Intercity Express (ICE) von der deutschen in die französische Hauptstadt reisen. Tickets sind je nach Route ab 62,90 Euro pro Strecke zu haben. Mit einmaligem Umsteigen in Frankfurt am Main reist man von Berlin (9.28 Uhr) im TGV nach Lyon (20.06 Uhr), Avignon (21.11 Uhr) und Marseille (21.49 Uhr). Wer früh genug bucht, bekommt die einfache Fahrt für 67,90 Euro. Allerdings gibt es immer wieder Kritik, dass diese Route ein weiteres Zugpaar brauchen kann. Auch andere Verbindungen sollten aufgestockt werden, heißt es.

Eine Besonderheit bleibt die Verbindung von Köln nach Paris, auf der ausschließlich Züge des SNCF-Tochterunternehmens Thalys fahren. Für diese Schnellzüge sind spezielle Fahrkarten erforderlich. Eine Integration in das Tarifsystem von DB und SNCF im grenzüberschreitenden Verkehr sei nicht geplant, hieß es am Montag.

Über Nacht hat es bereits direkte Zugverbindungen gegeben. Zuletzt fuhr ein Zug der City Night Line unter dem Namen „Perseus“ von Berlin nach Paris. Doch die Deutsche Bahn (DB) stellte die Route 2014 ein. Später war es an bestimmten Tagen möglich, mit dem Nachtzug der Russischen Eisenbahn RŽD aus Moskau von Berlin nach Paris zu reisen. Als sich die Corona-Pandemie 2020 ausbreitete, fiel auch diese Reisemöglichkeit weg.

Planungen für Nachtzug Berlin-Paris „weiterhin sehr intensiv“

Wie berichtet arbeiten die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) daran, Berlin-Paris in ihr Nachtzugnetz der Marke Nightjet zu integrieren. Bisher hieß es, dass die vorgesehene Direktverbindung, die auch Streckenäste von Wien sowie nach Brüssel umfassen soll, Ende 2023 startet. Der neue Zug soll Sitz-, Liege- und Schlafwagen mitführen.

Doch ob und wann er startet, ist offenbar noch nicht sicher. „Die Strecke von Berlin nach Brüssel und Paris ist weiterhin vorgesehen, die Verbindungen sollten täglich angeboten werden. Der finale Zeitpunkt kann aber von uns noch nicht bestätigt werden“, sagte ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder der Berliner Zeitung. Die Planungen seien „weiterhin sehr intensiv. Wichtig für uns ist jedoch, dass dann auch alle Beteiligten als vollwertige Partner hinter diesem Projekt stehen.“ Die Aufnahme neuer Strecken ins Netz werde rund ein Jahr vor Betriebsbeginn bekannt gegeben, so Rieder.