Nicht Chicago. Nicht hier.

BUCHTIP: Gibt es Menschen, die böse sind? Einfach so? Seit Karl, der neue Schüler, in der Klasse ist, stellt sich Niklas immer wieder diese Frage.Er soll mit Karl Hausaufgaben machen, so will es die Lehrerin, aber die nachmittäglichen Treffen enden sehr eigenartig. Zuerst verschwindet eine CD seiner Schwester, dann borgt sich Karl das CD-Rom-Laufwerk seines Vaters, und als Niklas es sich wiederholen will, sprüht ihm der Neue Tränengas in die Augen. So geht es weiter. Karl klaut sein Quix, er tötet sein Kaninchen, er ruft an und beschimpft ihn, ununterbrochen. Einfach so.Niklas fühlt sich hilflos. Seine Eltern denken, ihr Sohn spinnt ("wir sind doch hier nicht in Chicago"). Die Polizei rät, die Anzeige zurückzuziehen. Und die Lehrerin behauptet, Niklas wolle den Neuen nur schlechtmachen. Kinder wie Karl passen nicht in ihr Weltbild. Niemand ist böse, einfach nur so.Spannend wie ein Thriller liest sich das Buch von Kirsten Boie. Die Autorin beschreibt nur, sie erklärt nichts, entschuldigt nichts und läßt das Ende offen. Eine ungewöhnlich harte Erzählweise für ein Kinderbuch. Vielleicht so hart wie die Realität. Auf dem Buchdeckel macht der Verlag darauf aufmerksam, daß an deutschen Schulen mindestens eines von zehn Kindern ernsthaft schikaniert wird. (are.)Kirsten Boie: Nicht Chicago. Nicht hier. Oetinger 1999, ab 12 Jahre, 16,80 Mark.