Warum trägt eine Speise einen Namen wie Kalter Hund, Strammer Max oder Armer Ritter? Wie kommen Gerichte zu solchen kuriosen Bezeichnungen? Ein Blick in regionale Rezeptsammlungen offenbart ein Sammelsurium an eigentümlichen Wortschöpfungen, Bücher erzählen Geschichten von Gerichten. So ist vielen die Erzählung über das Dessert Pfirsich Melba bekannt, das ein verliebter Meisterkoch nach der australischen Sopranistin Nellie Melba benannte. Oder die vom Berliner Eisbein, dessen Name auf Schlittschuhkufen zurückgehen soll, die man aus Schweineknochen herstellte. Sowie die Geschichte vom Bismarck Hering, der dem Eisernen Kanzler von seinem Arzt als gesündere Speise empfohlen worden war. Hinter vielen Namen verbirgt sich jedoch oft mehr als eine amüsante Anekdote.----Arme Ritter: Bei dem Gericht, das aus Weißbrot, Milch und Ei hergestellt wird, handelt es sich um ein sehr altes Rezept, welches bereits vielfältig variiert in römischen Kochbüchern zu finden ist. Auch der heute gebräuchliche Name "Arme Ritter" hat eine lange Tradition: die frühste Nennung geht auf das Jahr 1787 zurück. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Speise, die man wahlweise mit Salz oder Zucker würzen kann, auch unter dem Namen "Gueldene Schnitten" bekannt. Woher die Bezeichnung "Armer Ritter" stammt, ist weder kulturhistorisch noch sprachwissenschaftlich geklärt. Eine Deutung bezieht sich darauf, dass die Speise armen Landsknechten als Fleischersatz diente. Aber nicht nur in Deutschland ist der "Arme Ritter" - vor allem bei Kindern - beliebt. Bekannt ist das ausgebackene Eibrot auch als "French Toast" (Amerika), "Poor Knights of Windsor" (England), "Pain perdu" (Frankreich) und "Torrigas" (Spanien).Zutaten: 2 Eier, Öl, 4 Scheiben Toast, Dill. Zubereitung: Die Eier mit dem Dill verrühren und in eine flache Schüssel geben. Die Brotscheiben hineinlegen, so dass sie das Ei-Dill-Gemisch aufsaugen können, beide Seiten vollsaugen lassen. Zum Schluss in einer Pfanne mit Öl ausbacken.Kalte Ente: Darunter versteht man ein bowleartiges Mischgetränk aus Wein, Schaum- und Perlwein, dem Zitronensaft oder -extrakte beigefügt wurde. Einer Legende nach soll Clemens Wenzeslaus, der letzte Kurfürst von Trier, Erfinder dieser besonderen Bowle sein. Eines Abends gab er auf der Terrasse seines Koblenzer Schlosses ein Gastmahl. Zu später Stunde kam er auf die Idee, je eine Flasche Mosel- und Rheinwein sowie Champagner zusammenzugießen und mit Zitrone und Zitronenmelisse zu würzen. Heute gibt es das Getränk des Kurfürsten Clemens Wenzeslaus sogar fertig abgefüllt in Flaschen zu kaufen.Zutaten: 2 unbehandelte Zitronen, 2 Liter Weißwein, 1 Fl. Sekt, 50g Zucker. Zubereitung: Sekt und Weißwein kalt stellen. Zitronen heiß abwaschen und die Schale spiralenförmig abschälen (darauf achten, dass an der Schale nichts Weißes mehr hängt, sonst schmeckt die Bowle bitter). Zitronen auspressen, Zitronensaft und Zitronenschale mit Weißwein und Zucker vermischen und in ein Bowlegefäß geben. Zugedeckt kalt stellen. Bowle erst kurz vor dem Servieren mit dem eiskalten Sekt aufgießen.Falscher Hase und Hasenpfeffer: Wer sich keinen echten Hasenbraten leisten konnte, gab sich mit dem Falschen Hasen, einem Hackfleischbraten, zufrieden. Hase gilt bis heute als besondere Mahlzeit. Ein altes Rezept aus Hasenfleisch ist der "Hasenpfeffer", ein sehr würziges, ragoutartiges Gericht. Seinen Namen verdankt es der im deutschen Sprachraum gern praktizierten Art, Speisen den Zusatz "Pfeffer" als Synonym für scharf, würzig oder feurig beizufügen (z.B. Pfefferkuchen oder Pfefferminze). Vom Hasenpfeffer ist übrigens auch die Redewendung "Da liegt der Hase im Pfeffer" abgeleitet, was soviel heißt wie "das ist der entscheidende Punkt."Zutaten: 2 Möhren, 750g Hackfleisch (gemischt), 1 Ei, 1 1/2 Brötchen, 1 Zwiebel, 1 Prise Salz, 1 Prise Pfeffer, 1 Prise Muskat, 250 ml Fleischbrühe, 2 EL Mehl, 1 EL Saure Sahne. Zubereitung: Die Möhren schälen und in wenig Wasser 10 Minuten kochen. Aus Hackfleisch, Ei, den eingeweichten und ausgedrückten Brötchen, den Zwiebelwürfeln und Gewürzen einen Fleischteig bereiten. Die vorgekochten Möhren in den Teig drücken und einen länglichen Braten formen. In eine flache Bratpfanne legen und im Backofen bei 185°C ca. 1 1/4 Stunden braten. Nach 20 Minuten die Fleischbrühe hinzugießen. Den fertigen Braten warm stellen. Aus dem Bratensaft eine Soße herstellen. Dazu den Bratensaft mit Wasser zu einem halben Liter auffüllen, aufkochen und mit angerührtem Mehl binden. Dann nochmals aufkochen und mit saurer Sahne abschmecken. Dazu passt Kartoffel-Möhrengemüse.Strammer Max: Quellen deuten daraufhin, dass der Begriff aus dem sächsischen Raum stammt und seit etwa 1920 in unserem Wortschatz existiert. Ursprünglich wurde als "Strammer Max" das erigierte männliche Glied bezeichnet; noch heute findet das Wort "Max" für Penis in unserem Sprachgebrauch Verwendung, etwa bei dem Kinderwort "Pipimax". "Strammer Max" wurde später als Name für die deftige Speise aus Brot, Schinken und Eiern übernommen, da man sich davon eine sexuelle Leistungssteigerung versprach.Zutaten: 1 TL Butter, 1 Scheibe Brot, 50g gewürfelter roher Schinken, 2 EL Öl, 2 Eier, Schnittlauch, 1 Gewürzgurke, 1 Tomate, Salz, Pfeffer. Zubereitung: Das Brot mit Butter bestreichen und auf einen Teller legen. Nun den rohen Schinken darauf verteilen. Öl in einer Pfanne erhitzen und die Eier zu Spiegeleiern braten. Salzen und pfeffern, dann auf das Brot gleiten lassen. Mit Schnittlauchröllchen bestreuen. Die Gewürzgurke in Scheiben schneiden und schuppenförmig als Dekoration um das Brot legen. Die Tomate waschen, achteln und damit ebenfalls den Teller dekorieren.Kaiserschmarrn: Die Entstehung dieser Süßspeise ist untrennbar verbunden mit der österreichischen Kaiserin Elisabeth, besser als Sisi bekannt. Eine Version der variantenreich erzählten Geschichte: Anlässlich eines Soupers servierten die Köche der Wiener Hofburg Sisi eine besondere Nachspeise. Dem aus Milch, Eiern, Zucker und Rosinen gebackenen Gericht verliehen sie den Namen "Kaiserinschmarrn". Die figurbewusste Monarchin verschmähte jedoch die kalorienreiche Speise. Um die peinliche Situation zu überspielen, aß ihr Gemahl den Nachtisch, der ihm so sehr mundete, dass er ihn zu seiner Leibspeise erklärte. Fortan hieß das Gericht "Kaiserschmarrn".Zutaten: 50g Rosinen, 4 Eier, 1 Prise Salz, 1Ú4 l Milch, 2 EL Zucker, 150g Zucker, 150g Mehl, Butter, Puderzucker, Zwetschgen oder Apfelmus. Zubereitung: Die Rosinen in heißem Wasser einweichen. Die Eier trennen und aus dem Eiweiß und dem Salz einen Eischnee bereiten. Das Eigelb mit der Milch, dem Mehl und dem Zucker verquirlen. Den Eischnee unterziehen. Die Butter in einer Pfanne erhitzen, den Teig hineingeben. Etwas backen lassen, dann mit den Rosinen bestreuen. Den Schmarrn wenden, kurz weiterbacken und mit einem Holzlöffel grob zerreißen. Auf einer Platte anrichten. Mit Puderzucker bestreuen. Als Beilage empfehlen sich Zwetschkenröster, aber auch saure Kompotte und Apfelmus.Kalter Hund/Kalte Schnauze: Kalt wie eine Hundeschnauze muss der Kuchen aus Butterkeksen und Schokoladencreme sein, damit er gut schmeckt. Warum gerade der Hund und nicht etwa die Katze Namensgeber ist, erklären sich Sprachwissenschaftler mit der hohen Popularität, die dem treuen vierbeinigen Begleiter beigemessen wird. Bekannt ist der Kuchen auch unter dem Namen Lukullus, nach dem römischen Feldherrn Lucius Licinius Lucullus benannt. Antike Namen werden gern mit Kochtraditionen in Verbindung gebracht. Hinweise darauf, dass der Römer Lucullus die Süßspeise kannte, fehlen jedoch.Zutaten: 500g Kokosfett, 330g Zucker, 4 Eier, 115g Kakao, 2 1/2 Packungen Butterkekse, 3 TL Nescafe, 2 Päckchen Vanillinzucker, je nach Geschmack 1 Schuss Rum.Zubereitung: Die vier Eier und den Zucker schaumig rühren, dabei den Kakao und je nach Wunsch weitere Geschmackszutaten durch ein Sieb dazugeben. Das Kokosfett in einem kleinen Topf vorsichtig und lang-sam schmelzen lassen und nach und nach zu dem Zucker-Ei-Gemisch zugießen. Eine kleine Kastenform (30 cm) mit Pergamentpapier auslegen. Boden mit einer Lage Butterkekse auslegen. Nun immer abwechselnd eine Lage Butterkekse und Schokoladenmasse einfüllen (die oberste Schicht sowie die Seiten sind Schokoladenmasse). Den Kuchen in den Kühlschrank stellen. Wenn die Schokomasse fest ist, kann man ihn aus der Form nehmen und in Scheiben schneiden.------------------------------Foto : Zubehör zum Kochen muss nicht immer Hi-Tech sein, die guten alten Holzlöffel haben noch lange nicht ausgedient.

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