Wenn das, was da an Elite nachwächst, wirklich so ist wie in diesem Film, verheißt die Zukunft wenig Gutes. Die Meister von morgen tragen das Haar straff nach hinten gekämmt, sie sind streng auf den eigenen Vorteil bedacht und ansonsten kühl bis in die nicht vorhandene Seele. Es ist Februar und kalt am Bodensee, doch hinter den hohen Gemäuern von Schloss Hamberg herrscht nicht nur klimatischer Frost. Der Sohn eines Topmanagers treibt tot im Schwimmbad des Elite-Internats, in dem die Schönen und vor allem Reichen ihre Kaschmirbubis und Seidenbarbies abstellen. Selbstmord? Natürlich nicht, auch wenn alles danach aussieht.Doch der Zuschauer weiß ziemlich früh, wer warum die Schlaftabletten in den Wodka gerührt, das Bettzeug zweckentfremdet und den Managersohn wie eine Katze im Sack ersäuft hat. Der Junge hatte herausgefunden, dass zwei Mitschüler in illegale Aktientransfers verwickelt sind, daraufhin wurde er von den beiden betäubt, verschnürt und versenkt. Und als eine Komplizin die Nerven zu verlieren droht, ist auch ihr Leben nicht mehr gewiss.Dieser Krimi von Autorin Dorothee Schön und Regisseur Ed Herzog präsentiert die Täter schon nach wenigen Minuten und lässt sein Publikum die restliche Zeit am schleppenden Erkenntnisgewinn der Kommissare mitleiden. Frau Blum (Eva Matthes) hat nämlich so ein Gefühl und ihr Kollege Perlmann (Sebastian Bezzel) einen Knopf. Wenn das nichts ist. Gefühl und Knopf bringen die beiden zwar auf die richtige Spur, doch dann wissen sie auch erstmal nicht weiter. Also beschließen sie, ihren Mordverdacht zunächst nicht öffentlich zu machen und im Internat ein bisschen vor sich hinzuermitteln. Irgendetwas müssen sie ja schließlich machen.Weitaus spannender dagegen gestaltet sich die Welt der Internatsschüler, vor allem ihre Innenwelt. Der Krimi zeigt eine Verwahrlosung im Wohlstand, eine Kälte im Miteinander, die alle Zuversicht an das Bessere im Menschen raubt. Florian Bartolomäi, der unlängst in einer Doppelrolle im "Bloch" glänzte, und Nora von Waldstätten geben dem Bösen ein schönes Gesicht, das dennoch grauen macht. Etwas differenzierter darf Rosalie Thomass als russische Milliardärstochter agieren. Nahezu fasziniert sehen Max (Bartholomäi) und Viktoria (von Waldstätten) zu, wie ihr Mitschüler ertrinkt. Max ist vor allem stolz auf sein vermeintlich perfektes Verbrechen, Viktoria geht für ihr anvisiertes Harvard-Studium nicht nur sprichwörtlich über Leichen. Dafür arbeitet sie mit allen Mitteln und Medikamenten. Und für die Dritte (Thomass), nicht ganz so Abgebrühte im Bunde, haben die beiden schließlich auch etwas vor, was an innerer und äußerer Brutalität nur schwer zu überbieten ist.Der Regisseur taucht die böse, kalte Geschichte in ein böses, kaltes Licht und verzichtet darauf, seinen Hauptfiguren auch nur irgendetwas Wärmendes mitzugeben. "Herz aus Eis" heißt dieser "Tatort" sehr treffend, es ist einer der besseren Geschichten vom Bodensee, auch wenn es mit der Spannung wieder mal nicht weit her ist.Doch dieser Krimi ist kein gewöhnlicher Krimi. Neben und recht eigentlich noch vor dem Fall verhandelt der Film hochmoralische Dinge. Fragen nach der Umkehrung vieler Werte nicht nur in den unteren Schichten, sondern auch dort, wo es an nichts mangelt, zumindest nicht an Materiellem. Er fragt nach dem Einzelnen, der immer öfter in der Summe verschwindet. Und natürlich geht es auch um das derzeit heiß diskutierte Thema der Eliten und ihrer Verantwortung, um die neue Arroganz der da oben, denen Menschen nur mehr Mittel für die eigenen Zwecke sind. Im Grunde geht es diesem Krimi um den beklagenswerten Zustand einer in vieler Hinsicht immer brutaler werdenden Gesellschaft auch ohne Gewalt. Um nichts weniger geht es.------------------------------Tatort: Herz aus Eis,Sonntag, 20.15 Uhr, ARD------------------------------Foto : Max (Florian Bartolomäi) hat Schreckliches mit der russischen Milliardärstochter Olga (Rosalie Thomass) vor.