"Nichtraucher-Diktatur - nein danke!"

BERLIN. Die Befürworter eines Rauchverbots ohne Ausnahmen stehen östlich der Niedersächsischen Landesvertretung, sie sind mit knapp drei Dutzend Demonstranten in der Überzahl. Sie fahren auch die größeren Geschütze auf: Ein Arzt im weißen Kittel spaziert mit einer jungen Frau am Tropf vor dem Eingang der Landesvertretung entlang, die Frau hat sich dunkle Ringe unter die Augen geschminkt und versucht, leidend zu gucken. Johannes Spatz, Sprecher des Bündnisses Rauchfrei, ruft in sein Megafon: "Sie sehen hier eine Patientin, gezeichnet von den Folgen des Passivrauchens." Die Frau könne sich kaum noch auf den Beinen halten, so schlimm sei es um sie bestellt.Immerhin ist sie aber noch so gut zu Fuß, dass sie mit dem Arzt auf die Westseite des Eingangsbereichs der Landesvertretung schlendern kann, dahin, wo sich die Gegner des Rauchverbots zur Gegendemonstration aufgestellt haben - zum Showdown vor der Landesvertretung, wo die Gesundheitsminister der Länder am Freitag über bundesweit einheitliche Regelungen zum Rauchverbot in Gaststätten berieten.Gerade mal ein Dutzend Leute der "Initiative für Genuss Berlin" ist gekommen, Kneipenwirte und "tolerante Bürger", wie Sprecher Thoma Michel sagt. Sie treten für die Wahlfreiheit von Wirten und Gästen ein und damit gegen ein generelles Rauchverbot. Die erste Stufe eines Volksbegehrens gegen das Berliner Nichtrauchergesetz haben sie gerade erfolgreich abgeschlossen. Sie sind mit Banner und handgemalten Schildern angerückt. "3 001 Lügentote, keiner war je gesehen" und "Nichtraucher-Diktatur nein danke!" steht darauf. Einige zünden sich demonstrativ eine Zigarette an. Als sich das Gegner-Gespann mit einem Tross Fotografen nähert, rollen die Rauchverbots-Gegner schnell ihr Transparent ein. Das wäre kein schönes Bild: eine Frau am Tropf vor den Worten "Initiative für Genuss".Die Rauchverbotsgegner sind einfach nur da, ihre Gegenspieler agitieren. Ein rauchender Fotograf muss sich eine Tirade anhören: "Sie rauchen, obwohl Sie wissen, dass es giftig ist, Sie sind ein ganz feiger Selbstmordattentäter", ruft Henry Stahl vom Forum Rauchfrei. Jeder der Minister wird lautstark per Megafon begrüßt.Nach einer Stunde müssen die Rauchverbots-Gegner ihr Transparent einrollen. Sie haben ihre Demonstration nur bis 10.30 Uhr angemeldet, weil sie glaubten, die Befürworter hätten das auch getan. Die aber dürfen bleiben, denn sie haben sich bis 14 Uhr registriert. Sie sind nicht sympathischer, aber besser organisiert.------------------------------"Sie sind ein ganz feiger Selbstmordattentäter." Henry Stahl vom Forum Rauchfrei, zu einem rauchenden Fotografen------------------------------Foto: Die Regeln für Raucher in Gaststätten und Kneipen werden in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich sein.