Letztlich war ihr dreißigster Geburtstag schuld an allem. Nicolle Landmann hatte sich vielleicht ein wenig vor diesem Tag gefürchtet, jedenfalls hatte sie nicht feiern wollen, aber ihre Freunde organisierten eine spontane Überraschungsparty am Abend davor. In ihrer Wohnung. Eine nette Idee. Eigentlich. "So spontan wie sie gekommen waren, so spontan waren alle Leute auch weg", erzählt Nicolle Landmann. Und sie saß da. Im Feten-Dreck. Am Tage ihres dreißigsten Geburtstags wienerte Nicolle Landmann also von morgens bis abends ihre eigene Wohnung und war bedient. Man könnte es also als einen Akt der Nächstenliebe bezeichnen, dass Nicolle Landmann kurz danach ihre Service-Firma um ein Angebot erweiterte: Seit kurzem kann man sie und ihre Kollegen mieten, wenn man bei sich zu Hause eine Party feiert, aber danach nicht aufräumen will - das Ganze ab 13 Euro pro Stunde. Nicolle Landmann kommt mit ihren Kollegen morgens ins Haus, putzt, wäscht ab, räumt weg. Und macht auf Wunsch sogar noch das Frühstück. Während man selbst noch den Rausch ausschläft und die Party weiterträumt. "Ich weiß nie, was mich am Morgen erwartet", sagt Nicolle Landmann. Logisch - alles ist drin: von unüberwindbar erscheinenden Abwaschbergen über Brandflecke, versifften Toiletten bis hin zu Schuhsohlenabdrücken an der frisch gebohnerten Wand. "Ich rechne deshalb immer mit dem Schlimmsten", sagt Nicolle Landmann. "Und bin froh, wenn ich nur Brand- oder Rotweinflecken auf dem Sofa beseitigen muss."Im Grunde besitzt die gelernte Köchin und Schneiderin eine Art Reinigungsfirma mit gehobenem Anspruch. Allerdings eine "nicht handelsübliche", wie Landmann selber sagt. Sondern ausbaufähig zu einem Rundum-Service. Da wird schon mal die gesamte Wohnung einer Bundesministerin zu einer Art Hotelsuite umfunktioniert, weil täglich Blumen auf den Tisch gestellt werden, eingekauft, geputzt und das Bett aufgeschlagen wird. Als Nächstes möchte sie den Regierenden Bürgermeister als Kunden gewinnen. "Wir haben uns schon einmal getroffen, jetzt muss ich abwarten, ob er sich meldet."Doch sie will nicht den Eindruck entstehen lassen, dass sie nur den oberen Zehntausend hinterherfeudelt. "Unsere Kunden kommen aus allen Ecken der Stadt", sagt sie. Auch wenn die meisten in Wilmersdorf und Mitte wohnen. "Sie haben eines gemeinsam: Sie sehen ihre freie Zeit als Luxus an und bezahlen auch dafür, dass man sie ihnen schafft." Vielleicht ist Nicolle Landmann für diese Menschen auch manchmal eine Art Lebensmanagerin. Sie sagt, ihre Kunden hätten "viel im Kopf, viel Geld im Portmonee, aber nicht viel Zeit und Kraft, ihr restliches Leben zu organisieren". Das macht Nicolle Landmann. Sie arrangiert auch die Feier am Hochzeitstag für gestresste Paare. Einmal sollte sie im Auftrag eines Ehemanns ein Candle-Light-Dinner organisieren. Das Paar war vorher ins Kino gegangen. Landmann streute im Flur einen Weg aus Rosen, das Essen stand auf dem Tisch. "Wir mussten nur noch die Kerzen im richtigen Augenblick anzünden, denn die dürfen ja nicht lange unbeobachtet stehen." Entwischt ist sie mit ihren Kollegen durch die Hintertür. Ein anderes Mal sollte Nicolle Landmann nach einer Party aufräumen. "Der Macher der Feier hatte uns gesagt, wir könnten am nächsten Morgen um zehn zum Saubermachen kommen", erzählt Nicolle Landmann. Als sie ganz leise die Tür aufschloss, um die Schlafenden nicht zu wecken, war die Party noch in vollem Gange, aber mittlerweile zu einem Nudisten-Event mutiert. "In solchen Momenten sage ich dann einfach nichts und warte, bis die Feier dann wirklich vorbei ist." Was soll man auch sonst machen?