Im Dorf Bothel bei Bremen geht die Angst um. „Wir müssen ganz schnell herausfinden, woher die Häufung der Krebsfälle kommt“, fordert Dirk Eberle, der neu gewählte Samtgemeindebürgermeister der 2 400 Einwohner zählenden Ortschaft im Landkreis Rotenburg. „Das Land verdient viel Geld mit dem Förderzins, während hier Väter und Kinder sterben. Es geht um Leben und Tod.“

Die Leute in und um Bothel sind alarmiert seit das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen (EKN) seine Untersuchungsergebnisse zur Krebsrate veröffentlichte. In Bothel war im Zeitraum von 2003 bis 2012 eine Häufung an Leukämie- und Lymphdrüsenkrebsfällen bei Männern festgestellt worden. Statt der für den Zeitraum zu erwartenden 21 Fälle waren in Bothel 41 Fälle registriert worden. Wenn so viele Menschen erkrankten, gebe es immer einen Grund, so ein Mitarbeiter des Krebsregisters.

Man fürchtet, es könnte einen Zusammenhang geben mit der dortigen Erdgasförderung. Im Nordwesten wird seit Jahrzehnten intensiv Erdgas gefördert, auch mit einer konventionellen Fracking-Methode. Im Gegensatz zur aktuell genutzten, mit aggressiveren Chemikalien arbeitenden Methode, wird hier mit Hilfe von Wasser und weniger gefährlichen Chemikalien Gas aus großen Tiefen herausgepresst.

Das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat im vergangenen Sommer an einem nahe gelegenen Förderplatz erhöhte Quecksilberwerte gemessen. Seitdem fürchten Anwohner, Quecksilber und Benzol könnten beim Erdgasfördern an die Oberfläche oder ins Wasser gelangen. Der Naturschutzbund Nabu hat angeblich sogar noch weit höhere Quecksilberwerte gemessen.

Genauere Untersuchungen werden angemahnt. Dass Gasförderung mit den Erkrankungen zu tun haben könnte, befürchte man seit Längerem, sagt Andreas Noltemeyer, Ortsbürgermeister in Völkersen und Sprecher der Langwedeler Bürgerinitiative „No Fracking“. „Es hat sich nur keiner getraut, das offen auszusprechen.“ Auch die Landsregierung Niedersachsens ist alarmiert.

Generell gegen Fracking wandte sich am Wochenende die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger. Die Fördermethode berge insbesondere für das Grundwasser Risiken, die man nicht wirklich in den Griff bekommen könne, sagte sie im Deutschlandfunk. Man sollte ganz darauf verzichten.