Nordkoreas junger Herrscher Kim Jong Un hat nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes offenbar seinen einflussreichen Onkel und Förderer Jang Song Thaek entmachtet. Der 67 Jahre alte Jang, der als graue Eminenz des kommunistischen Regimes galt, ist danach möglicherweise Opfer einer politischen Säuberung geworden. Beobachter spekulierten am Dienstag, dass der rund 30 Jahre alte Kim seine Stellung mit dem Schritt weiter ausgebaut habe. Zwei enge Gefolgsleute Jangs seien Mitte November wegen Korruption und anderer Vorwürfe hingerichtet worden, berichtete die südkoreanische Agentur Yonhap unter Berufung auf den Nationalen Aufklärungsdienst NIS. Seitdem sei Jang verschwunden. Dies wurde in Seoul als Hinweis für seine Entmachtung gewertet.

Jang soll den Berichten zufolge sowohl seinen Posten als Stellvertreter Kims in der Nationalen Verteidigungskommission wie auch sein hohes Parteiamt verloren haben. Die Kommission gilt als wichtigstes Entscheidungsgremium des Regimes. Was aus Jangs Frau Kim Kyong Hui wurde, der Tante von Kim Jong Un, war zunächst unklar.

Einerseits fürchten Beobachter, dass die Entmachtung instabile Verhältnisse nach sich zieht; denn Jang verfügte über gute Kontakte im Militär, Regierung und Partei. Andere sehen Indizien dafür, dass Kim seine Macht weiter festigt. „Jang ist der Prinzregent gewesen“, sagt Hanns-Günther Hilpert von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. „Wenn er jetzt entfernt wurde von seinem Amt, hat Kim freie Hand.“ sagt der Ostasienexperte, der zurzeit in Seoul ist.

Die politischen Folgen sind allerdings noch nicht abzusehen. Der NIS vermutet, dass die Säuberungswelle in Nordkorea noch nicht zu Ende sei. Es könnte den gesamten „Verwaltungsapparat“ der Arbeiterpartei treffen, der Jangs Unterstützungsbasis gewesen sei. Möglichweise strebe Kim Jong Un eine größere wirtschaftliche Öffnung an, der vermutlich Jang im Weg stand. Das land wolle weg von der Abhängigkeit Chinas. (dpa)