WIEN, 30. März. Auf der Sondersitzung der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat sich Opec-Präsident Obaid bin Saif el Nasseri zuversichtlich über ein Anziehen des Ölpreises geäußert. Nasseri sagte am Montag abend in Wien, der Markt habe bereits positiv auf die Opec-Ankündigung der vergangenen Woche reagiert, die Fördermengen zu drosseln. Ein Barrel (159 Liter) habe in der vergangenen Woche durchschnittlich 13,20 Dollar gekostet, knapp zwei Dollar mehr als in der Woche zuvor. Die günstige Preisentwicklung werde anhalten, wenn die Vereinbarung ratifiziert und umgesetzt werde. Ziel der Sondersitzung sei es, das Überangebot an Öl auf dem Weltmarkt durch eine freiwillige Senkung der Fördermenge zu reduzieren. An der Sitzung, die unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindet, nehmen zehn Minister und ein Vertreter Iraks teil. Venezuela in der KritikWährend die Opec-Minister am Montag in der österreichischen Hauptstadt um eine Kürzung ihrer Förderungen rangen, hat Norwegen die Drosselung seiner Ölförderung angekündigt. Der weltweit zweitgrößte Öl-Exporteur, der nicht der Opec angehört, werde unmittelbar nach Ostern beginnen, 100 000 Barrel am Tag weniger zu produzieren, stellte das Energieministerium in Aussicht. "Wir wollen ein Signal an die Welt geben, daß wir die Lage für ernst halten", begründete Energieministerin Marit Arnstadt diesen Schritt. Saudi-Arabien als größter Öl-Exporteur hatte zuvor eine Verminderung seiner Produktion um 300 000 Barrel täglich angeboten.Zentrales Problem bei der angestrebten Förderkürzung der Opec dürfte Venezuela darstellen, das in den letzten Monaten um ein Drittel mehr Öl als seine Opec-Quote produziert hatte. Die gesamte Förderleistung des Kartells war im November 1997 von 25,03 auf 27,5 Millionen Barrel am Tag angehoben worden. Zuletzt hatte die Produktion aber deutlich mehr als eine Million über dieser Höchstmarke gelegen.Die internationalen Ölmärkte verhielten sich bislang abwartend. Reinhard Kahnau vom Informationsdienst Oil Market Report sagte, mögliche Opec-Förderkürzungen seien in den Preisen bereits enthalten. Für die Verbraucher ändere sich voraussichtlich nicht viel, meinen Marktbeobachter. Sie bezweifeln, daß die angekündigten gemeinsamen Maßnahmen zur Verknappung des Ölangebots den Preis auf dem Weltmarkt längerfristig in die Höhe treiben können. Kommt es allerdings zu keiner Einigung der Opec-Staaten, könnten die Preise wieder stark rutschen. Ein Barrel Opec-Öl war im März zeitweise auf unter elf Dollar abgesackt. Das Kartell strebt einen Richtpreis von 21 Dollar an.Der Ölpreis auf dem Weltmark war im Winter auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren gestürzt. Als wesentliche Gründe für den Preisverfall gilt die Finanzkrise in Ostasien, der milde Winter und die Opec-Entscheidung vom November, die Fördermengen zu erhöhen. Die Opec wird mit ihrem jetzigen Anliegen, die Förderung wieder zu senken, außer von Norwegen auch von den Nichtmitgliedern Mexiko, Jemen und Oman unterstützt.Kürzungen unzureichendMit der Zusage aus Oslo, die Ölförderung vom 12. April an bis zum Jahresende um drei Prozent zu senken, beläuft sich die Gesamtmenge der Senkungen auf knapp 1,5 Millionen Liter am Tag. Wenngleich der Ölpreis auf den Future-Märkten in London und New York sich in der vergangenen Woche um zwei Dollar pro Barrel verteuerte, halten viele Experten die bisherigen Kürzungen für nicht ausreichend, um eine längerfristige Preisanhebung auf dem Markt durchzusetzen. Die tägliche Förderung müßte um über zwei Millionen Barrel gesenkt werden.Hinzu kommt, daß es innerhalb der Opec widerstreitende Meinungen über das weitere Vorgehen gibt. Norwegen hat sich am Montag das Recht vorbehalten, seine Drosselung der Fördermenge wieder aufzuheben, falls die Opec-Staaten die auf dem Papier zugesagten Kürzungen nicht auch tatsächlich umsetzen. (wi.)