BERLIN. Union und FDP wollen im Falle eines Bundestagswahlsiegs ein von Staat und Wirtschaft finanziertes bundesweites Stipendiensystem für Studierende einführen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) begrüßte gestern eine entsprechende Initiative des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministers Andreas Pinkwart (FDP).Grundlage soll das neue Stipendienprogramm in seinem Bundesland sein. Im kommenden Semester bekommen dort erstmals 1 400 der begabtesten Studenten ein Stipendium über 300 Euro im Monat. Eine Hälfte davon bezahlt die Wirtschaft, die andere das Land. "Schon jetzt steht die Finanzierung für 1 200 Studenten", sagte Pinkwart der Berliner Zeitung. "Das Modell in Nordrhein-Westfalen ist ein guter Anfang", erklärte Schavan. Pinkwart hofft, dass der Erfolg in NRW einen entscheidenden Anstoß für eine neue Stipendienkultur in ganz Deutschland geben wird.Andere schwarz-gelb regierte Länder unterstützen den Vorstoß. "Die Initiative begrüße ich", sagte Wolfgang Heubisch (FDP), bayerischer Wissenschaftsminister. "Wir müssen die Stipendiensysteme in Deutschland dringend ausbauen." Auch aus dem Bundestag bekommt Pinkwarts Idee Zuspruch. Stefan Müller, bildungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, schloss sich seiner Forderung an - allerdings mit Vorbehalt. "Es darf nicht passieren, dass die Stipendien nur nach Kassenlage der Wirtschaft vergeben werden", sagte er.Auf die Unterstützung des Bundes ist Pinkwart bei seinem nationalen Plan besonders angewiesen: 65 Prozent des staatlichen Anteils sollen aus dem Bundesetat kommen. Schon in vier bis fünf Jahren könnten dann zehn Prozent aller Studenten ein Stipendium bekommen. 2008 erhielt nur rund ein Prozent, das waren knapp 21 000 Studenten, eine solche Förderung.Die SPD ist trotz dieser Prognose gegen das Modell. "Es ist frivol von Pinkwart, für das Stipendienprogramm Geld vom Bund zu fordern", sagte Ernst-Dieter Rossmann, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Bundesfraktion. Er warf Pinkwart vor, er wolle durch das Modell seine Landeskasse füllen. "Das ist völlig durchschaubar." Als in Unions- und FDP-regierten Ländern wie NRW Studiengebühren eingeführt wurden, hätten sie versichert, diese zum Teil durch Stipendien auszugleichen, sagte Rossmann. Das sei nicht passiert. "Bei Pinkwarts Modell geht es darum, die Kosten dafür auf den Bund abzuwälzen."Zudem seien derzeit mindestens 500 000 Studierende auf Bafög angewiesen, erklärte Rossmann. Statt in Eliteförderung zu investieren, sollte künftig mehr Geld für die vielen Studenten ausgegeben werden, die sich ein Studium nicht oder nur kaum leisten können.Selbst wenn es nach der Bundestagswahl zu einer schwarz-gelben Koalition kommen sollte, kann die SPD über die von ihr regierten Länder ein nationales Stipendiensystem blockieren. Schon auf der letzten gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern scheiterte ein von Pinkwart vorgestelltes Modell. "Bedauerlicherweise haben die SPD-Länder die Einigung aller Länder auf ein gemeinsames Modell verhindert", sagte Schavan. "Das wäre die Voraussetzung dafür gewesen, dass auch der Bund einsteigen kann." An der Haltung werde sich nichts ändern, sagte die Sprecherin des SPD-geführten Bildungsministeriums in Rheinland-Pfalz, Sabine Lucht. "An erster Stelle steht die Gebührenfreiheit des Studiums und die Stärkung des Bafög."Politik Seite 5------------------------------"Das ist mit der SPD nicht zu machen." Ernst-Dieter Rossman, Bildungspolitiker