NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke: Priebke wird an geheimem Ort bestattet

Rom/Hennigsdorf - Der vor mehr als einer Woche in Rom gestorbene NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke soll an einem geheimen Ort bestattet werden. Nach dem heftigen Streit um die letzte Ruhestätte für den ehemaligen SS-Mann sei eine Lösung mit den zuständigen Behörden vereinbart worden, teilte sein Anwalt Paolo Giachini am Samstag mit.

Damit scheint auch die Debatte darüber beendet, ob der NS-Kriegsverbrecher in seinem Heimatort Hennigsdorf beerdigt wird. Die Stadtverwaltung von Priebkes Geburtsort hatte dies immer abgelehnt - ebenso wie Priebkes langjähriger Wohnort Bariloche in Argentinien.

Im Rahmen der Überlegungen, Priebke in Italien oder in Deutschland zu bestatten, habe man einen zufriedenstellenden Weg gefunden, sagte Giachini der italienischen Zeitung „La Repubblica“ zufolge. „Es wird eine kleine Trauerfeier für die Angehörigen geben“, erläuterte der Anwalt. Ob Priebke nun in Italien oder Deutschland beerdigt werden soll, wollte Giachini nicht sagen.

Der Präfekt von Rom hatte ein Begräbnis in der Stadt und der Umgebung verboten. Das akzeptiert Priebkes Anwalt. Auch weil es eine offizielle Anfrage der Angehörigen Priebkes oder des Anwalts bei der Bundesregierung in Berlin bis zum Wochenende nicht gegeben hatte, spekulierten italienische Medien über eine Bestattung in Italien.

So soll ein Herzchirurg aus der Gegend von Verona im Norden einem lokalen Zeitungsbericht zufolge angeboten haben, den Leichnam des Deutschen in seinem Familiengrab beizusetzen, doch stelle sich auch in diesem Fall der Bürgermeister dagegen. Eine Bestattung Priebkes in Deutschland war zuvor einige Tage im Gespräch. In Italien wird befürchtet, dass das Grab des früheren SS-Mannes zu einer Kultstätte von Neonazis werden könnte, sollte der Ort allgemein bekannt sein.

Der Leichnam liegt derweil weiter auf einem Militärflughafen bei Rom. Eine geplante Trauerfeier für Priebke bei der erzkonservativen Pius-Bruderschaft war nach heftigen Protesten abgesagt worden.

Priebke war am 11. Oktober im Alter von 100 Jahren in Rom gestorben. Dort hatte er nach der Verurteilung zu einer Haftstrafe wegen Kriegsverbrechen unter Hausarrest gestanden. Priebke war an einem der schlimmsten Nazi-Massaker des Zweiten Weltkriegs in Italien beteiligt, bei dem 335 Zivilisten getötet wurden. (dpa)