Die National Security Agency (NSA) hat also auch die UN abgehört. Wie schön, dass wir keine Politiker sind und jetzt so tun müssen, als wären wir überrascht oder gar so verdattert wie das Auswärtige Amt, das erklärt, darüber keine „eigenen Erkenntnisse“ zu haben. Noch ehe wir lange über diese Formulierung grübeln, macht sie eines klar: Erkenntnisse haben sie. Wir sind höchstens überrascht, dass es der bestens ausgestatteten NSA erst im vergangenen Jahr gelungen sein soll, in die internen Videokonferenzen der UN einzudringen. Dort stießen die US-Nachrichtenräuber übrigens auf die Räuber aus dem Reich der Mitte. Die zapften dort bereits ab, was sie abzapfen konnten. Nein, das ist nicht Vergangenheit. Es muss sicher heißen: zapfen und können.

Ein wenig sind wir enttäuscht, dass die Unseren nicht auch dort zu finden sein sollen. Und die Russen? Was machen die? Kein Mensch redet von denen. Müssen wir uns Sorgen machen? Die Israelis? Sollten auch die auf „eigene Erkenntnisse“ verzichten? Man wird gut daran tun, sich die allergeheimsten Kanäle als die verwanztesten vorzustellen. Wir sollten auch anfangen über die Menschen nachzudenken, die in den Diensten mit Überwachung beschäftigt sind. Einige von ihnen haben ihr Equipment und ihr Knowhow schon für die Ausspionierung von Geliebten und Ehefrauen genutzt. Unwahrscheinlich, dass nicht wenigstens ein paar davon das nicht auch für private Nebengeschäfte genutzt haben sollen.