Im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München ist am Dienstag ein BKA-Beamter als Zeuge gehört worden. Er hatte den Angeklagten Holger G. im Jahr 2011 vernommen, der wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung angeklagt ist. G. hatte im Ermittlungsverfahren umfangreich ausgesagt, vor Gericht dann aber zu den Tatvorwürfen nur eine vorbereitete Erklärung verlesen.

Während der Befragung des Mannes vom BKA wurde klar: Holger G. belebte alte Anhänglichkeiten an das NSU-Trio sofort wieder, wenn sie von ihm gewünscht wurden, obwohl er sich 2001 aus der rechten Szene zurückzog. Noch 2011 ließ er sich für einen Reisepass, den Uwe Böhnhardt dringend brauchte, das Haar scheren und beantragte ihn im Beisein von Beate Zschäpe. Zuvor waren bereits seine Krankenkassenkarte, sein ADAC-Ausweis und sein Führerschein an die Drei gegangen. Sie pfiffen, er parierte.

Ein nützlicher Idiot

Einmal, 2001, hätte Holger G. im Auftrag des wegen Beihilfe zum Mord angeklagten NPD-Funktionär Ralf Wohlleben eine Waffe nach Zwickau transportiert. Als er gefragt habe, wozu die Pistole dienen solle, habe Wohlleben gesagt: „Es ist besser, wenn du nicht weißt, was sie damit vorhaben.“ Danach habe G. gesagt, er wolle nichts mehr „mit Waffen zu tun“ haben. Trotzdem: Als Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe nach etlichen gemeinsamen Urlauben, zu denen Holger G. eingeladen war, 2005 unangekündigt vor dessen Wohnungstür in Hannover standen, habe G. sich „wahnsinnig“ gefreut.

Was Beate Zschäpe betraf, habe Holger G. während der Vernehmungen ein eindeutiges Bild gezeichnet, so der Beamte B.: Sie sei durchsetzungsfähig und meinungsstark gewesen, Entscheidungen aller Art seien stets einvernehmlich getroffen worden, niemals gegen Zschäpes Willen. Sie sei keiner Konfrontation aus dem Weg gegangen. Als sie während einer Busfahrt eine Punkerin „komisch“ angeschaut habe, „haute sie der sofort eine rein“.

Holger G. scheint so etwas wie der nützliche Idiot gewesen zu sein. Einer, den man instrumentieren konnte, auch wenn er zuvor gesagt hatte, dass er das nicht mehr wollte.

Holger G. habe außerdem erzählt, so sagte es der Beamte aus, dass mit Benefizkonzerten und „Balladenabenden“ in der rechten Szene Geld für das NSU-Trio gesammelt wurde. Ralf Wohlleben soll die Benefizkonzerte den Aussagen zufolge mitorganisiert haben. (mit dpa)