Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe konnte sich bei einigen ihrer Nachbarn in der Zwickauer Frühlingstraße unter politischen Freunden wähnen. Mehrere Nachbarn trafen sich allabendlich in einem Partykeller oder hinter dem Haus zum Trinken. Beate Zschäpe war immer wieder einmal auch dabei.

Auf dem Fernseher des Party-Kellers stand in den letzten Jahren ein Hitler-Bild. Das habe dort zum Andenken an einen verstorbenen Nachbarn gestanden, behauptete am Mittwoch der Keller-Besitzer vor dem Münchner Oberlandesgericht als Zeuge. Der Verstorbene habe es zuvor auf seinem eigenen Fernseher stehen gehabt. Jeder habe das gewusst. Zschäpe habe sich an dem Bild nie gestört, sonst auch niemand.

In der eigenen Wohnung hatte der Zeuge auch noch einen Jute-Sack mit Hakenkreuz. Zu seiner politischen Gesinnung befragt, sagte der Zeuge, er gehöre keiner „Religion“ an. Was die Politik betreffe „nehme ich es so, wie es ist.“ Einer der Mittrinker hatte der Polizei gesagt, im Keller sei gesagt worden: „Zu Hitlers Zeiten war alles besser.“

Die Anklage wirft Zschäpe vor, sie habe für die legale Fassade des Trios gesorgt und damit die Anschläge der Neonazi-Terroristen, darunter zehn Morde, ermöglicht. Zschäpe bewohnte mit den beiden anderen mutmaßlichen NSU-Terroristen jahrelang eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus im sächsischen Zwickau.

Der Zeuge berichtete am Mittwoch, sie habe gesagt, der eine sei ihr Freund, der andere dessen Bruder. Sie würden beruflich Autos überführen. Einmal habe sie den Nachbarn, die hinter dem Haus saßen und Fußball guckten, eine große Familienpizza spendiert.

Erstmals seit langem waren auch mutmaßliche Sympathisanten aus der rechten Szene unter den Zuschauern im Gerichtssaal: Zwei bullige Glatzköpfe in T-Shirts, einer von ihnen stark tätowiert bis zum Hals. In einer Verhandlungspause trat er vorn an die Absperrung der Besuchertribüne und grüßte mit der Hand hinunter zu dem Angeklagten Ralf Wohlleben und seiner Anwältin. (mit dpa)