Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages hat seine Beweisaufnahme schon beendet und sitzt an seinem Abschlussbericht. Dennoch will das Gremium jetzt noch einmal einen Zeugen hören: Am 24. Juni soll ein Stuttgarter Verfassungsschützer erklären, was es mit den Erzählungen von Petra K. auf sich hat, die er vier Jahre lang als Informantin mit dem Decknamen „Krokus“ geführt hat.

Auf „Krokus“ waren die Abgeordneten erst vor einigen Wochen aufmerksam geworden. In einer Akte des Generalbundesanwalts war von den Aussagen einer ehemaligen V-Frau des Landesamtes für Verfassungsschutz (LCD) Baden-Württemberg und ihres Lebensgefährten über den NSU und den Heilbronner Polizistenmord die Rede. Die beiden hatten nach dem Auffliegen des NSU erzählt, dass Neonazis aus Schwäbisch Hall in den Überfall vom 25. April 2007 verwickelt gewesen sein sollen. Bei dem Überfall war die Polizistin Michels Kiesewetter getötet und ihr Kollege Michael Arnold lebensgefährlich verletzt worden.

Außerdem soll eine Krankenschwester NPD-Kreise über den Gesundheitszustand von Arnold unterrichtet haben, der damals auf ihrer Station lag. Schließlich will „Krokus“ sich noch an eine Tupperparty in Ludwigsburg erinnert haben, auf der sie eine Ostdeutsche namens Mandy kennengelernt hatte. Bei dieser Mandy soll es sich um Beate Zschäpe gehandelt haben.

Als wenig glaubwürdig eingeschätzt

Petra K. hat sich seit gut einem Jahr mehrfach an den Verfassungsschutz, das Landeskriminalamt und Mitglieder des NSU-Untersuchungsausschusses gewandt. Weil sie so hartnäckig an ihrer Version festhält und den Behörden Vertuschung vorwirft, will sich der Ausschuss jetzt mit dem Fall befassen.

Allerdings werden die Aussagen von „Krokus“ und ihrem Lebensgefährten Alexander G. von Ermittlern und vielen Ausschussmitgliedern als wenig glaubwürdig eingeschätzt. Tatsächlich erbrachten die Ermittlungen im vergangenen Jahr keine Belege dafür, dass die Angaben der beiden stichhaltig sein könnten. Auch die Krankenschwester, die seinerzeit den verletzten Polizisten betreute und angeblich mit Neonazis in Kontakt stand, wurde ausfindig gemacht und vernommen, ohne dass sich der Verdacht gegen sie erhärten ließ.

Keinen Beleg gibt es zudem für Petra K.s Angaben, sie habe bereits im Mai 2007 ihren Verbindungsführer beim LKR über das Interesse der Neonazis am Gesundheitszustand Arnolds informiert. In den „Krokus“-Unterlagen befinden sich keine entsprechenden Vermerke; außerdem wurde K. erst im Juni oder Juli 2007 als V-Frau verpflichtet. In einem Ermittlungsvermerk heißt es zusammenfassend, es dränge sich der Verdacht auf, K. und G. hätten Fakten „weiter angereichert, um den Anschein zu erwecken, dass sie über Insiderwissen zur Tat in Heilbronn und zur rechten Szene verfügen“.

Petra K. bleibt jedoch bei ihrer Version. Dem Spiegel sagte sie, sie habe seinerzeit die Information über die Ausspähung im Krankenhaus unmittelbar an ihren Verbindungsführer weitergegeben. Der Beamte jedoch habe sie aufgefordert, sich aus der Sache herauszuhalten.

Petra K., die sich einst selbst als Informantin angeboten hatte, arbeitete von 2007 bis 2011 für das Stuttgarter LfV. Aus der rechtsextremen Szene stammt sie nicht; sie war allerdings befreundet mit einer Friseurin aus Schwäbisch Hall, die in der NPD aktiv war. Für den Verfassungsschutz waren diese „Second-Hand-Informationen“ allerdings wenig brauchbar. Und so wurde „Krokus“ beauftragt, einerseits Informationen über den rechtsextremen Grabert-Verlag zu beschaffen, der revisionistische und volksverhetzende Bücher vertreibt. Als zweites Aufklärungsobjekt wurde „Krokus“ die Partei Die Linke übertragen. Dort sammelte sie bei Parteiverbänden und Abgeordneten Unterlagen ein und reichte E-Mails an das LfV weiter. 2011 bot sie dem LfV schließlich an, auch im Bereich der Organisierten Kriminalität zu spionieren. Das LfV versuchte vergeblich, den Eifer seiner V-Frau zu bremsen. Ende 2011 beendete man die Zusammenarbeit mit „Krokus“.