Die Berliner Automesse AAA ist wegen fehlender Aussteller für 2002 abgesagt. "Die Messeleitung hat sich dazu entschlossen, die traditionelle Autoshow in diesem Jahr ausfallen zu lassen", sagte der stellvertretende Messe-Sprecher Wolfgang Wagner am Mittwoch. Als Grund nannte er die schlechte Wirtschaftslage in der Automobilbranche. Dies habe viele Hersteller davon abgehalten, sich mit repräsentativen Ständen auf der für Ende Oktober angesetzten Messe zu zeigen. "Eine hohe Qualität der Ausstellung war nicht mehr gewährleistet", sagte er.Nach Informationen der "Berliner Zeitung" hatten überhaupt nur fünf Autohersteller ihre Teilnahme an der Messe verbindlich zugesagt: die deutschen Marken BMW und Audi sowie Mitsubishi, Honda und Hyundai. Wagner wollte dies nicht bestätigen. Er kenne "keine konkreten Zahlen", sagte er. Die Messe Berlin GmbH - zu fast 100 Prozent eine Tochtergesellschaft des Landes - habe sich in der Autoindustrie lange und intensiv um mehr Teilnehmer bemüht. Nach Aussage eines Insiders ließ letztlich die Absage von Volkswagen die Autoschau platzen. Bei der vorigen AAA vor zwei Jahren waren noch rund 200 000 Besucher gekommenFür die Messe könnte sich die Absage zu einem Fiasko entwickeln. Zwar rechnet das Management nach eigener Aussage fest damit, dass es 2004 wieder eine Autoschau in der Hauptstadt geben werde. "Viele Hersteller haben uns signalisiert, dass sie bei einer Konjunkturbelebung wieder in Berlin vertreten sein wollen", sagte Wagner. Branchenbeobachter teilen diese Einschätzung allerdings nicht. "Nach der Absage ist das nächste Mal für den Veranstalter wie ein Neuanfang", hieß es. Berlin habe jetzt "im Kampf um den besten Automesseplatz in Ostdeutschland" klar gegen Leipzig verloren. Mit der AAA entfällt für die Berliner Messe zudem ein Geldbringer. "Die Automesse war eine von den Veranstaltungen, die schwarze Zahlen schreiben", sagte Messe-Sprecher Wagner. Wie hoch der Verlust in der Jahresbilanz ausfällt, sagte er nicht. Auch als schlechtes Signal für die Zukunft wollte Wagner die AAA-Absage nicht werten. Die nächsten großen Messeveranstaltungen seien "definitiv nicht gefährdet", sagte er. So werden etwa die Heimelektronikmesse "e/home", die Kunstausstellung "Art Forum" und die Mode-Schau "Fashion Berlin" wie geplant stattfinden. Zwar hatte die Messeleitung schon auf der Internationalen Tourismus-Börse ITB im vergangenem März mit sinkendem Interesse zu kämpfen, weil sich deutlich weniger Aussteller als im Vorjahr anmeldeten und die Besucherzahlen stagnierten. Doch Wagner sagte, das Messejahr 2002 laufe insgesamt "ganz gut".Die abgesagte Automesse ist offenbar seit Jahren die erste große Schau, die mangels Ausstellern nicht stattfinden kann. Fehler des Managements stritt Wagner aber ab. Die Preise für die Ausstellungsflächen zu senken, wäre keine Lösung gewesen, sagte er. "So etwas ist nicht sehr seriös", sagte er. "Dumpingpreise sind auf Dauer ein Bumerang."Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS) - derzeit in New York auf Arbeitsreise - sagte der "Berliner Zeitung" am Mittwoch, die Absage habe sich in den vergangenen Wochen schon abgezeichnet. "Das ist tragisch, aber nicht überraschend", sagte Gysi. "Jede abgesagte Messe schadet dem Ansehen unserer Stadt." Er kündigte an, eine Ersatzveranstaltung anwerben zu wollen; welcher Art und aus welcher Branche, ließ der Senator allerdings offen. (mit tom.)Messekrisen // Bautec: Zur Internationalen Baufachmesse "Bautec 2002" im Februar dieses Jahres kamen nur noch 90 000 Besucher. Im Vorjahr waren es noch knapp 130 000. Die Branche erwartet für 2002 ein Umsatzminus von 5,5 Prozent.Internet World: Im Juni 2002 präsentierten sich auf der IT-Messe ein Drittel weniger Firmen als im Vorjahr. Die meisten von ihnen hatten im Laufe eines Jahres Konkurs gemacht.ITB: Die Internationale Tourismus-Börse verzeichnete im vergangenen März rund 260 weniger Aussteller als im Jahr zuvor, in dem noch mehr als 10 000 Reiseveranstalter, Städte und Gemeinden sich in Berlin präsentierten. Die Besucherzahl blieb gleich."Jede abgesagte Messe schadet dem Ansehen dieser Stadt. " Gregor Gysi (PDS), Wirtschaftssenator