Die Synagoge in der Brunnenstraße 33 soll möglichst originalgetreu wiederhergestellt werden. Dafür haben sich die drei Berliner Architekten ausgesprochen, die im Auftrag der Bezirksamtes das Gebäude Ende vergangenen Jahres untersucht haben. "Das Haus ist von besonderem historischen Wert, da es sich um eine der letzten erhaltenen Privatsynagogen in Berlin handelt", sagte Architekt Lutz Mauersberger am Sonntag bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse. Nach den Worten des 35-Jährigen sind trotz der Zerstörungen durch die Nazis während der Pogromnacht vom 9. November 1938 noch zahlreiche Elemente im Betsaal erhalten - so die ursprünglichen Säulen, die Kapitelle, die Empore und eine der beiden Treppen, die dorthin führen.Auch der Bezirk wünscht eine rasche Rekonstruktion des 1910 eröffneten Hinterhofbaus, der seit 1993 leer steht. Allerdings sei eine öffentliche Nutzung des denkmalgeschützten Hauses erwünscht, sagte die Stadträtin für Stadtentwicklung Dorothee Dubrau (B90/Grüne). Derzeit werde noch nach einem Investor gesucht, der die Privatsynagoge von den Eigentümern, der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) und einem Nachfahren des früheren Grundstücksbesitzers erwirbt. Was konkret in dem Gebäude passieren soll, darüber wünscht sich Architekt Mauersberger eine breite öffentliche Debatte. Denkbar wäre eine Begegnungsstätte von Juden und Nichtjuden. Für ihn ist wichtig, dass der Betsaal, wenn dafür der Bedarf besteht, auch wieder für religiöse Handlungen geweiht werden könnte. Die Jüdische Gemeinde hat laut Mauersberger bislang kein Interesse an der Übernahme des Gebäudes gezeigt. Dafür zeigt sich der Verein "Marc Chagall" interessiert, der das jüdische Fernsehen "Babel TV" im offenen Kanal produziert. Allerdings fehlt ihm das Geld, die Synagoge zu übernehmen. Mauersberger hofft, dass es schnell zu einer Lösung kommt: "Das Haus wird durch den Leerstand und Witterungseinflüsse nicht besser."Bei Pogrom zerstört // 1910 war die Privatsynagoge von dem Verein Beth Zion eröffnet worden. Ihn hatten 1879 nach Berlin eingewanderte orthodoxe jüdische Polen gegründet. Das Grundstück war 1905 vom Schirmfabrikanten Fritz Hellwig übernommen worden.Bis zur Machtergreifung der Nazis war die Privatsynagoge eine von rund 100 in Berlin. In der Pogromnacht vom November 1938 wurde auch das Haus in der Brunnenstraße verwüstet. In den folgenden Jahren diente es als Lagerraum für eine Chemiefabrik.Auch in der DDR wurde der Bau zunächst als Lagerraum genutzt - von der Firma Berlin-Kosmetik. Sie baute das Haus 1984 unter Auflagen der Jüdischen Gemeinde um. So wurde die Fassade denkmalgerecht saniert. Im Betsaal wurde eine Zwischendecke eingezogen und es entstanden auf zwei Etagen rund 20 Büros.

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