Tausende Berliner nutzten am gestrigen ..Tag des offenen Denkmais die Möglichkeit. sonst nicht öffentlich zugängliche Gebäude von innen zu besichtigen.Der ehemalige Flugplatz in Johannisthal hat für Gerhard Sedlmayr eine ganz persönliche Bedeutung. "Mein Vater stellte den ersten deutschen Rekord im Dauerflug auf", erzählt der 7Ojährige aus Rellingen bei Hamburg. Sechs Stunden und drei Minuten hatte Gerhard Sedlmayr Senior einen motorisierten Doppeldecker am 14. März 1913 in der Luft gehalten. Der Rekordflug habe Ihm damals die sogenannte "National-Flugspende eingebracht", berichtet Sedlmayr Junior. 2 000 Goldmark pro Monat, bls der nächste Pilot Ihn übertrafZum ersten Mal seit 6O Jahren war gestern das Gelände des 1909 eröffneten Flugplatzes Johannisthal und der 1912 dort gegründeten "Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt" der Öffentlichkeit zugänglich. Nach 1933 wurde das Gelände wegen der geheimer Militärforschung von den Nazis abgeriegelt. Zu DDR-Zeiten gehörte es der Akademie der Wissenschaften und den Grenztruppen.Es waren weit mehr als tausend Berliner, die die Gelegenheit zur Besichtigung nutzten. Erhalten ist zum Beispiel noch das Direktionsgebäude aus der Flugplatzgrunderzeit, ein Windkanal -- in ihm wurden einst Modellflugzeuge getestet-, sowie der Trudelturm."Volles Haus im Denkmal" hieß es auch an rund 30 anderen Orten in 13 Bezirken. Für Neugierige öffneten unter anderem das Schloß Biesdorf und die Rosenkranz-Basilika in Steglitz ihre Pforten. In der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt in Hohenschönhausen schilderten Zeitzeugen den Alltag Im Stasi-Knast.Einige hundert Berliner kamen gleich zur ersten Führung auf dem 66 Meter hohen Kreuzberg mit dem Denkmal für die Befreiungskriege, das 1821 von Schinkel entworfen worden war. Der acht Meter hohe Sockel ist das ganze Jahr über nur für Fledermäuse offen. Dort finden sich ungeahnte Kostbarkeiten wie das Original-Münzrelief der ehemaligen Reichsbank in Mitte und ein Gipsabdruck der Quadriga auf dem Brandenburger Tor."Können wir baden", scherzten Neugierige, die sich für das Innenleben des 1888 errichteten Kreuzberger Wasserturms Interessierten. Der Turm, der die Kreuzberger bis Anfang der 60er Jahre mit dem notwendigen Naß versorgte, beherbergt unterm Dach einen schmiedeeisemen Kupferkessel mit einem Fassungsvermögen von mehr als 400 000 Liter Wasser. Während Im Anbau des Turms das Kreuzberger Jugend-Kulturzentrum untergebracht ist, blieb der hohe Raum direkt unter dem Kessel wegen fehlender Fluchtwege bislang ungenutzt. Demnächst will dort ein Kletterverein einziehen. Dessen Mitglieder wollen die etwa zehn Meter hohen Wände im Innern für Übungen im "free climbing" nutzen. Das schloß Biesdorf kannte gestern besichtigt werden. Viele Berliner wollten sich auch über den Windkanal in Johannisthal informieren. Fotos: GhostlBienert