Ob mild gehopft, süffig oder kräftig malzig - Bier ist das beliebteste alkoholische Getränk der Deutschen. Der Braumeister achtet auf die richtige Rezeptur und verfolgt die Herstellung.: Hopfen und Malz

Deutschland ist ein Land der Biertrinker. Hier wurde 1516 nicht nur das bis heute gültige Reinheitsgebot erlassen, hier gibt es auch die größte Brauereiendichte der Welt. Auch wenn der Pro-Kopf-Verbrauch seit Jahren abnimmt, die Deutschen trinken immer noch viel Bier - nur die Tschechen und Iren konsumieren in Europa mehr.Gebraut wird das deutsche Bier vornehmlich in industriellen Großbrauereien wie Krombacher oder Warsteiner, die pro Jahr zwischen vier und fünf Millionen Hektoliter herstellen. Die Mehrheit der deutschen Brauereien sind hingegen kleine Handwerksbetriebe und Gaststättenbrauereien, die jährlich weniger als 5 000 Hektoliter brauen. Doch egal, wie groß eine Brauerei ist, verantwortlich für die Herstellung des Bieres ist immer der Braumeister. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", sagt der selbstständige Braumeister Holger Lampe, der in Berlin drei Gasthausbrauereien betreut. "Es ist jedoch keine Voraussetzung für den Beruf, Bier zu mögen. Es gibt eine Menge Braumeister, die keinen Tropfen anrühren."Mit Händen, Augen und OhrenZu den Aufgaben des Braumeisters gehört es, alle Stufen der Bierherstellung zu kontrollieren und gegebenenfalls selbst durchzuführen. Dabei gibt es zwischen den Arbeitsanforderungen in einer Großbrauerei und einer Gasthausbrauerei große Unterschiede. "Großbrauereien müssen schnell, effektiv und kostengünstig arbeiten", sagt Lampe. Daher werde die eigentliche Bierherstellung heutzutage von Computern durchgeführt, über die der Braumeister zu wachen hat. "Das Bier in einer Gasthausbrauerei wird hingegen noch immer so hergestellt wie um das Jahr 1900. Es muss mit Händen, Augen und Ohren gebraut werden", erzählt er. Der Braumeister ist für alle Arbeitsschritte verantwortlich, von der Wartung und Reparatur der Braukessel, über die Rezeptentwicklung und die Qualitätskontrolle bis hin zur Reinigung der Geräte. Beim Brauen sei Hygiene ausgesprochen wichtig. "Ein Braumeister ist immer auch eine halbe Putzfrau", erklärt Lampe.Voraussetzung für den Beruf des Braumeisters ist zunächst Interesse an Naturwissenschaften, um die mikrobiologischen Abläufe bei der Herstellung des Bieres zu verstehen. Für den Einkauf der Zutaten sind auch kaufmännische Grundkenntnisse vonnöten. Hinzu kommt, dass der Braumeister hin und wieder auch Malzsäcke stemmen muss. "In einer Brauerei gibt es zudem große Temperatur-Unterschiede. Während es im Sudhaus sehr warm werden kann, herrschen im Lagerkeller Temperaturen um den Gefrierpunkt. Da darf man nicht empfindlich sein", berichtet Lampe.Ein Produkt, das die Leute mögenUm Braumeister zu werden, gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten. Man kann in einer dreijährigen Ausbildungszeit den Beruf des Brauers und Mälzers erlernen. Nach einer mindestens dreijährigen Gesellenzeit besteht dann die Möglichkeit, vor der Handwerkskammer den Meister zu machen. Zum anderen kann man an einer Hochschule einen Abschluss als Diplom-Braumeister oder als Diplom-Ingenieur für Brauwesen erlangen. In Deutschland ist ein solches Studium am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München oder in der 1883 gegründeten Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (VLB) möglich, die mit der Technischen Universität Berlin zusammen arbeitet. Ausbildungsplätze werden unter anderem von den Berliner Brauereien Berliner Kindl, Schultheiss und Berliner Bürgerbräu angeboten.Holger Lampe ist mit seiner Berufswahl nach wie vor sehr zufrieden. Sie vereine viele unterschiedliche Tätigkeiten, gerade in kleineren Brauereien. "Und man schafft ein Produkt, von dem man weiß, dass es die Leute mögen. Nur das Polieren der Kupferkessel macht keinen Spaß."------------------------------DIE VIELFALT DES BIERESWeiterbildung: Die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin (VLB) veranstaltet internationale Brauerkurse in englischer und russischer Sprache. Darüber hinaus werden Kurse für Anfänger angeboten, die lernen wollen, einmal ihr eigenes Bier zu Hause zu brauen.Ausland: In Berlin gibt es zwei große und rund zehn Gasthausbrauereien. Um einen Arbeitsplatz als Braumeister zu finden, kann wegen der hohen Bewerberzahl die Bereitschaft nützlich sein, seinen Wohnort zu wechseln. Insbesondere im Ausland sind deutsche Brauer sehr willkommen.Statistik: Die Deutschen müssen sich um die Biervielfalt nicht sorgen. Im vergangenen Jahr gab es 1 284 Brauereien, wie das Statistische Bundesamt ermittelte. Das waren acht Brauereien mehr als zehn Jahre zuvor. 1996 hatte es 1 276 Brauereien gegeben. In den vergangenen zehn Jahren ist vor allem die Zahl der kleinen Betriebe gestiegen, die bis zu 5 000 Hektoliter Bier brauen und zu denen auch Gaststättenbrauereien gehören.