BRANDENBURG/HAVEL. Parkscheibe ist nicht gleich Parkscheibe. Das muss nun auch ein Hamburger Geschäftsmann einsehen. Der Mann hatte im Herbst 2010 in Forst (Spree-Neiße) geparkt und dafür eine korrekt eingestellte Parkscheibe hinter die Frontscheibe gelegt. Nicht die eingestellte Zeit, sondern die Scheibe an sich fiel einer Politesse auf. Sie befand diese als viel zu klein und verpasste dem Geschäftsmann ein Knöllchen. Während andere ertappte Missetäter die verlangten fünf Euro zahlten, legte der Hamburger eine Beschwerde nach der anderen ein. Seit gestern steht fest: Er muss das Knöllchen bezahlen - und dazu die Kosten des Rechtsstreits. Das entschied das Brandenburgische Oberlandesgericht (OLG) in letzter Instanz."Laut Beschluss begeht man eine Ordnungswidrigkeit, wenn man eine erheblich kleinere als die vom deutschen Gesetzgeber vorgeschriebene Parkscheibe verwendet", sagte OLG-Sprecherin Martina Schwonke. Und in diesem Fall sei die Scheibe um ein Vielfaches kleiner gewesen. 40 mal 60 Millimeter maß das Corpus Delicti, eine italienische Parkscheibe. In Deutschland aber müssen Autofahrer eine Parkscheibe in den Maßen von 110 mal 150 Millimeter benutzen - schon um ein leichtes Ablesen der eingestellten Zeit zu ermöglichen. Mit seiner Entscheidung gab das OLG dem Amtsgericht Cottbus Recht, dass den Hamburger schon zur Zahlung von fünf Euro verurteilt hatte."Es ist nun mal so geregelt, dass ich als deutscher Autofahrer nicht mit einer kleineren italienischen Parkscheibe parken darf", sagte ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. Sinn mache das in einem vereinten Europa nicht. "Aber das Gericht entscheidet nach Paragrafen, nicht nach dem gesunden Menschenverstand." Das Paradoxe daran: Ein Italiener begeht keine Ordnungswidrigkeit, wenn er sein Fahrzeug mit einer Parkscheibe seines Heimatlandes in in Deutschland abstellt.------------------------------Foto: Norm: Genau 110 mal 150 Millimeter misst die deutsche Parkscheibe (r.).