In einer dieser Nächte, in denen man den Wind zwischen den Hochhäusern des Frankfurter Finanzviertels heulen hört, sitzt Claudia Keht schon wieder auf einer Holzbank und empört sich. Die 25-Jährige spricht über die Schuldenkrise der Staaten, den Stabilitätsmechanismus, die Defizite der demokratischen Partizipation. Die junge Frau schlingt ihre Decke enger um die Hüften, es ist kalt. Doch sie verhandelt weiter über die neue Zeit. Mit Menschen, die sie bis vor ein paar Tagen noch nie gesehen hat.

Claudia Keht ist eine von Dutzenden, die in der vergangenen Woche hier ihre Zelte aufgeschlagen haben, gleich neben den Zentralen der Großbanken. „Das Schönste ist ja“, sagt sie, „dass ich mit alldem jetzt nicht mehr allein bin.“ Tatsächlich versammeln sich jeden Abend mehrere Hundert Menschen zwischen den Hochhäusern. Sie sind jung und alt, laut und leise, Antifaschisten und Atomkraftgegner, Globalisierungskritiker, Utopisten, Studenten, Lehrer, Angestellte. Sie kommen aus der Stadt und vom Land, aus Hessen, aus Schwaben. Sie alle sind „Occupy Frankfurt“.

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